Warum ich manchmal lieber das Katzenklo säubere

Es ist kein Geheimnis, dass Zwillinge anstrengend sind. Nicht unbedingt doppelt anstrengend wie ein einzelnes Baby, aber anstrengend.

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Dies wird kein Heul-Post. Keine Sorge, so bin ich nicht. Aber ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt etwas dazu schreibe, denn schließlich landet dies im World Wide Web und jeder kann dies lesen, sich eine Meinung dazu bilden und sich darüber auslassen- zumeist anonym. Und ich bin es nicht.

Weshalb ich aber trotzdem diesen Beitrag verfasse: Weil es jeder Mama und jedem Papa mal so geht, gegangen ist und gehen wird! Es ist wichtig, dass man manche Sachen rauslässt. Sei es, indem man darüber spricht oder eben schreibt. Viele tun weder das eine noch das andere. Auch ich muss mich immer mal zu so etwas durchringen. Denn man möchte nicht undankbar erscheinen und auch nicht schwach.

Man ist nicht undankbar, wenn es einem mal reicht. Man ist nicht schwach, wenn man weinend neben seinem kreischenden Baby sitzt und nicht weiß, warum es schreit.

Und nun verrate ich euch was:

Es gibt Momente, in denen ich lieber die Katzenklos säubere als abermals den Alleinunterhalter für 2 Säuglinge zu spielen. Oha! Hat sie das wirklich geschrieben? Ja!

Das hat nichts mit fehlender Liebe oder Undankbarkeit zu tun. Wenn man 24/7 für mindestens ein anderes Menschlein zuständig ist, vereinsamt man schnell und vergisst seine eigenen Bedürfnisse. Auch dass der Partner hilft ist da nicht die Hilfe. Wir Menschen sind nicht dafür gemacht, unsere Kinder allein aufzuziehen. Wir brauchen andere Erwachsene um uns herum, die Verständnis haben und helfen. Wirklich helfen und nicht nur „kluge“ Sprüche ablassen. Aber in der heutigen Zeit findet man dies kaum noch. Und so habe auch ich dies noch nicht gefunden.

Man braucht auch mal Auszeiten. Da wirkt eine heiße Dusche wirklich schon mal Wunder und doch ist das auf Dauer nicht der Rettungsanker für alles. Ich habe wirklich liebe Kinder, die sehr gnädig und zufrieden mit mir zu sein scheinen. In den letzten Tagen gestaltete sich alles etwas schwieriger: Kaum Schlaf am Tag und auch in der Nacht nicht. Zwar lassen sie nachts bereits eine Mahlzeit aus, aber dies bedeutet nicht, dass sie friedlich schlummern würden. Irgendwas ist immer. Nucki weg, falscher (!) Nucki, Bruder macht einen wach, Bauch tut weh, Windel voll, Mutti ist nicht nah genug, zu dunkel, zu hell, zu warm, zu kalt …

Und so verbrachte ich die letzten Tage damit, die beiden wirklich gefühlt 24Stunden nonstop zu betüddeln. Klappte eher mäßig. In der Nacht fehlte abermals der Schlaf. Ohnehin ist man nie ganz weg, glaube ich. Die kleinsten Geräusche lassen einen zumindest kurz aufhorchen. Und da die beiden ein Talent zum Abwechseln haben, haut das mental und körperlich ganz schön rein.

Der Herzmann ist seit heute endlich wieder soweit fit gewesen, dass er die 2 Minuten zum Supermarkt gehen konnte und ein paar Kleinigkeiten einkaufte. Die Jungs waren ruhig bevor er ging. Sie wurden wach als er ging und kreischten unvermittelt los als er keine Minute aus dem Haus war. Geht das nur mir so oder scheinen die Kinder wirklich friedlicher zu sein, wenn Papa da ist?!

Nun gut, ich bin kein Anfänger. Sie drehen nicht das erste Mal so ab. Erstmal wurde gekuschelt- also ich habe gekuschelt, ich wurde nur gekniffen und angeschrien. Singen kam da schon besser an. Ablegen? Spinne ich denn völlig?! Aber ich wagte es! Natürlich wurde geschimpft. Schnell ein paar Grimassen geschnitten und dann in letzter Not die bekloppte Staubsauger-App eingeschaltet. Sie wurden ruhiger! Puh, doch nicht sooo die Rabenmutter… Als der Herzmann dann wieder Zuhause war, schlummerten sie bereits friedlich. Typisch!

Nach einiger Zeit wurden sie wieder munter. Wie es sich gehört, wird in dem Alter nur wenige Minuten geschlummert. Sie fingen wieder an zu meckern, doch der Herzmann war bereits bei ihnen und redete ruhig auf sie ein. John nahm er zwischenzeitlich auch hoch. Ich derweil kümmerte mich um das Fläschchensäubern und die Katzenklos. Nasses Streu ist so schwer! Und so schleppte ich den Müllsack durch das Wohnzimmer.

„Sollen wir tauschen?“, fragte der Herzmann mich sofort. „Nein, ich möchte jetzt wirklich lieber die Katzenklos machen als den Clown zu spielen.“, erwiderte ich ohne Nachzudenken. Dann hielt ich inne. Mir kamen die Worte doch etwas hart vor. Wir sprachen darüber. Ich versuchte zunächst meine Aussage zu relativieren, um dann doch zu dem Entschluss zu kommen, dass es genau so gemeint war. Der Herzmann zeigte Verständnis. Auch ihm würde es manchmal so gehen. Wow! Reden, Leute. Reden. Ich fühlte mich gleich besser. Wir lächelten einander an und machten mit unseren „Aufgaben“ weiter. Als die Flaschen sauber und die Katzenklos gereinigt waren, setzte ich mich zu meinen drei Männern auf die Couch und strahlte sie an. Zum einen hatte ich wieder etwas geschafft und zum anderen konnte ich ein wenig Abstand von der ständigen Verfügbarkeit und Verantwortung nehmen.

Und ja, mir tut das gut und mir ist das wichtig. Das macht mich zu keiner schlechten Mutter. Andere mögen das anders sehen. Das ist in Ordnung. Ich dachte auch immer, ich würde niiieee etwas anderes wollen. Aber doch: In Ruhe duschen, ein halbes Brötchen ohne Hast schaffen, den Haushalt wuppen und endlich Zeit für dieses drecks Pilates finden! Alles keine großen oder selbstsüchtigen Wünsche und doch bekommt man schnell ein schlechtes Gewissen, wenn man selbst hungrig ist, aber für die Kinder genau dann die Welt untergeht und man dann genervt ist. Man stellt seine Bedürfnisse hinten an. Ja, das gehört zum Elternsein dazu. Aber permanent geht es einfach schief. Punkt.

Und so war nun heute der Punkt erreicht, an dem ich lieber in Katzenkacke herumstocherte und den fiesen Ammoniakgeruch einatmete als Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. 15 Minuten von 24 Stunden. Wäre der Herzmann nicht gewesen, hätte es auch diese 15 Minuten nicht gegeben und wäre er nicht, hätte ich auch diesen ewig langen Post nicht verfassen können, auch wenn er neben mir sitzt und nervige Lieder trällert, die mich immer mal wieder aus dem Konzept beim Schreiben bringen. Egal. Denn ich bin dankbar und ich bin voller Liebe.

Man muss am Elternsein nicht alles toll finden und auch Kinder, die keine Schreibabys sind oder besondere Betreuung benötigen, können verdammt anstrengend sein. Ich sage immer, dass ich zwei wirklich liebe Kinder habe und das stimmt auch. Eine Mutter mit Schreibaby tut mir verdammt leid! Ich wage zu behaupten, dass sie es schwieriger hat als ich. Aber natürlich stoße auch ich an meine Grenzen und das habe ich hiermit festgehalten.

Wenn es euch mal zu viel wird, dann meldet euch frühzeitig bei Freunden und Familie– in erster Linie wohl beim Partner. Zur Not macht man feste Regeln aus, damit jeder auch mal Zeit zum Verschnaufen bekommt. Da wir alle in einer recht isolierten Welt leben (die Welt der Neu-Eltern), ist es umso wichtiger, dass wir auch unsere Grundbedürfnisse stillen. Und jeder hat dabei eine andere Top 10. Zeit ohne Baby(s) tut auch gut! Es ist anfangs komisch und selbst ich, die ihre Kinder 6 Wochen nur stundenweise sah, ging es nicht gut, wenn ich länger als 30min von den beiden getrennt war. Mittlerweile schaffe ich auch eine Stunde, ohne Magenschmerzen zu bekommen. 😉 Das setzt natürlich voraus, das man die Kinder in guten Händen weiß. Aber eine schnelle Shoppingtour oder einfach ein Kaffee mit einer Freundin ohne Baby wirkt oft Wunder. Und wenn man dann nach Hause kommt, freut man sich umso mehr auf den kleinen Schreihals. Mir geht es so. Probiert es aus! Wichtig ist, dass ihr euch gut dabei fühlt.

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Elisa
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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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