Wann man die „Gute Mutter“ ist

Gestern habe ich einen Beitrag von Super Mom entdeckt, der mich sehr ansprach. Schließlich ist es eines der Themen, das uns Mütter wohl spätestens mit dem positiven Test in den Händen beschäftigt: Werde ich eine gute Mutter sein? In ihrem für euch verlinkten Beitrag geht es speziell darum, dass man für manche nur eine gute Mutter sein kann, wenn man absolute Anwesenheit vorweist.

Aber was ist da dran? Ist da überhaupt etwas dran?

Ich wurde im Jahr des Mauerfalls geboren- in der DDR. Dort war es völlig normal als Frau wenige Wochen nach der Entbindung wieder arbeiten zu gehen. Meine Mutter kam mit 6 Wochen zu einer Tagesmutter. Ihre Mutter arbeitete normal lang, aber eben bis zum frühen Abend, holte den älteren Sohn vom Kindergarten und die kleine Tochter von der Tagesmutter ab, dann schnell einkaufen und ab nach Hause. Meine Oma verdiente damals mehr als mein Opa und so stellte sich nicht die Frage, ob sie nicht noch etwas länger Zuhause bleiben wolle. Das Geld wurde benötigt. Und gern gearbeitet hat sie auch.

Ich hingegen kam mit 10 Monaten in die Krippe. Auch hier, weil es einfach sein musste. Zumindest an meine Kindergartenzeit kann ich mich erinnern und ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Es gehörte zu meinem Leben dazu: Mutti arbeitet, ich gehe in den Kindergarten und entweder holt sie mich ab oder jemand anderes.

Man sieht also, dass weder ich noch meine Mutter nonstop von der eigenen Mutter umgeben waren. Wie sind die Beziehungen zueinander? Verdammt gut! Jede Mutter- Tochter- Beziehung ist sehr innig und aufrichtig.

Trotzdem schlug ich einen anderen Weg ein: Solange es für uns alle gut ist und passt, werden die Jungs keine Kita besuchen. Allerdings halte ich es mir offen, es nicht doch anders zu machen, wenn ich anders empfinde oder die beiden mich spätestens selbst darauf stupsen. Dann bin ich die Letzte, die sich quer stellt. Für jetzt gelte ich aber als „Vollzeitmutter“. Was für ein bescheuertes Wort, wie bereits Jette von Super Mom anmerkte. Und es ist so wahr! Wozu braucht man da eine Unterteilung? Wir sind alle Mütter! Aber ich verstehe schon, dass sich manche lieber auf ein Podest stellen und ihren Weg predigen, da sie nur von diesem einen überzeugt sind.


Das Leben ist allerdings nicht nur schwarz und weiß. Es ist kunterbunt und genau das macht erst den Reiz am Leben aus. Für mich zumindest. Mein Neffe geht in den Kindergarten und er hat richtig Freude daran. Zuhause hätte er nur seine Mama. Freunde treffen ging meist auch nur nachmittags, da die meisten Mütter dann doch nach einem Jahr wieder in den Beruf starten. Seine Mama blieb 2 Jahre vom Job fern. Die Zeit war schön, zog sich phasenweise aber auch wie Kaugummi. Er war unterfordert. Sie wurde ihm nicht so gut gerecht- sie ist eben nicht die Bastelmutti, muss sie auch nicht sein. Und so war es für beide fast eine kleine Erleichterung als er in den Kindergarten kam. Das hat nichts mit Abschieben zu tun oder dass man zu faul, zu doof oder karrieregeil wäre.

Frauen, die zusätzlich noch arbeiten gehen, danach zum Kindergarten, zur Schule oder sonst wohin hetzen, einkaufen, Essen kochen, mit den Kindern spielen, Hausaufgaben machen, den blöden Kuchen für den Kuchenbasar in Kindergarten/Schule backen während die Kinder sich zoffen oder das Einzelkind gelangweilt ist, den Haushalt schmeißt und dann eine halbe Stunde nachdem das letzte Kind ins Bett wanderte, sind für mich absolute Heldinnen! Wieso sollten gerade sie schlechte Mütter sein?

Frauen, die bewusst mindestens 3 Jahre mit dem jüngsten Kind von der KiTa fernbleiben, haben immer mindestens ein Kind bei sich. Egal, ob Banktermin, Rezepte abholen, einkaufen, aufs Klo gehen oder beim Backen des blöden Kuchens- man ist ja schließlich Zuhause und hat Zeit. Sie hören ab einem gewissen Alter des Kindes unentwegt Kinderlieder, Benjamin Blümchen und Co. und haben entsprechende Ohrwürmer. Sie sind dahingehend gefordert, ihre Kinder zu fordern und zu fördern. Ganz allein. Da muss man kreativ sein und geduldig. Auch diese Frauen sind für mich Heldinnen! Wieso sollten gerade sie schlechte Mütter sein?

Eine „Gute Mutter“ ist man nicht, in dem man so viel Geld verdient, sodass man sich offenbar alles leisten kann- mal abgesehen davon, dass es kaum Frauen gibt, die so viel verdienen, trotz Vollzeitstelle. Eine „Gute Mutter“ definitiert sich auch nicht darüber, dass sie unentwegt um ihre Kinder herumschwirrt.

Eine „Gute Mutter“ ist man, wenn man seine Kinder liebt. Mit allem, was man hat und stets bemüht ist, sein Bestes zu geben. Wir selbst haben viel zu hohe Ansprüche an uns. Unsere Kinder wollen in erster Linie Zeit mit uns verbringen und das geht auch ohne Probleme mit Beruf. Kinder wollen aber auch Kontakt zu Gleichaltrigen. Hierbei gibt es immer mehr Möglichkeiten, um andere Familien zu treffen- ganz ohne Kindergarten und oft sogar zwangloser. Es muss zum eigenen Leben und den Überzeugungen passen. Wenn man dann noch auf die Bedürfnisse seines Kindes achtet, ist man vielen Menschen schon weit voraus.

Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, die ein anderes Leben leben, sollten wir viel öfter und selbstverständlicher aufeinander zugehen, einander wertschätzen und das andere Leben, das möglicherweise nicht zu uns passt, respektieren und auch mal ein Lob aussprechen. Denn nur, weil man einen anderen Lebensstil hat, bedeutet das nicht, dass man andere oder gar fremde Entscheidungen verteufeln muss. Leben und leben lassen. Denn im Endeffekt wollen wir doch alle das gleiche: Das Beste für unsere Kinder!

Und in diesem Fall macht es uns zu guten Müttern.

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Elisa
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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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