„Verpiss dich einfach!“ – Streit in der Beziehung

Spätestens mit Instagram wurde mir mehr als bewusst wie wichtig es vielen ist, dass sowohl sie als auch ihre Kinder, die Wohnung/das Haus, der Garten und die eigene Partnerschaft immer die Sonnenseiten zeigen. Viele begründen es damit, dass so viel schlechtes in der Welt geschieht und man sich lieber an den guten Dingen erfreuen mag. Klingt plausibel. Find ich trotzdem doof.

Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß. Es ist bunt. Wir sind bunt. Und so gehört zu einer guten Partnerschaft eben auch dazu, dass man sich streitet so wie es dazu gehört, dass man sich über seine Kinder ärgert (und gleichzeitig noch mehr über sich, weil man meist Schuld ist, dass die Kinder überhaupt „Ärger“ machen konnten 😉 ) so sehr man sie auch liebt.

Regelmäßig liest man leider von Trennungen. Manche bauschen es auf, manche machen es ganz kurz und wieder andere erwähnen es nicht. Jeder darf und soll mit solchen Ereignissen umgehen wie er das möchte. Bei allen fällt auf, dass es nie auch nur einen offiziellen Hinweis darauf gab. Wieso auch? Warum sollte man sich das auch noch online antun, wenn man im wahren Leben genug daran zu knabbern hat? Bei mir ist es nicht anders.

Ich werde auch in Zukunft nicht von jeder Diskussion oder jedem Streit berichten. Mit diesem Beitrag heute möchte ich aber darauf aufmerksam machen, dass zu meiner Realität, die ich euch immer wieder zeige, natürlich auch Streit mit dem Herzmann gehört. Das ist anstrengend, das ist verletzend und manchmal auch tränenreich. In Streitsituationen könnten wir nicht unterschiedlicher sein: Er passiv, ich aktiv. Ich will das so lange klären bis es vom Tisch ist. Er will seine Ruhe und alles erstmal mit sich selbst ausmachen. Allein dadurch ist schon Streit vorprogrammiert.

Für Streit gibt es allgemein viele Ursachen: Unzufriedenheit, Geldprobleme, fehlendes Vertrauen, fehlende Liebe, Überarbeitung (Erschöpfung, Schlafmangel) und noch so viel mehr. Mancher Streit ist sehr tiefgreifend, in dem es um wirklich ernste Probleme geht. Doch oftmals streitet man wegen Nichtigkeiten, doch auch diese entstehen aus einem bestimmten Grund und können wiederum tiefgreifende Ursachen haben. Da raucht einem schon beim Lesen der Kopf, nicht wahr?

Ich möchte euch ein ziemlich aktuelles Beispiel aus unserem Leben nennen:

Der Herzmann und ich bauten die Babybetten auf die unterste Stufe um und wir stellten uns ganz schön dämlich an. Es wollte einfach nicht klappen und das eine Bett hat innen auch allerhand Kratzer deswegen. Ich hing da so halb im Bett, der Herzmann außen. Ich klemmte ihm den Finger ein. Kurz darauf nochmal. Wir zickten uns an, waren genervt von der Situation und der Herzmann von seinen geklemmten Fingern. Noch dazu krabbelten die Kinder um uns herum, auf die man achten musste. Wir dachten ja, es ginge viel schneller. „Ach komm, das machen wir mal schnell.“ Ehm… nein. Und natürlich passierte, was passieren musste: Ich klemmte seinen Finger erneut ein. Die Situation war ohnehin schon angespannt, doch nun war er mittlerweile sauer. Meine Empathie kam nicht zum Vorschein und so interessierte es mich nicht wirklich. Habe es doch nicht mit Absicht getan! Also soll er sich zusammen reißen, dachte ich. Ein paar Worte flogen hin und her bis der Herzmann aufsprang und sagte, ich solle den Scheiß doch alleine machen. Dann ging er ins Wohnzimmer. Ich war verletzt und erschöpft. Und dann kam die Wut. Ich rief: „Verpiss dich einfach!“

Und was geschah? Er zog sich an und ging. Ich stand noch im Flur als er ging und knallte die Tür mit einer Wucht zu, die ich selbst nicht kannte. Dann war er weg. Ich heulte. Die Kinder spielten in ihrem Zimmer. Ich schrieb meiner besten Freundin, schilderte kurz, was passiert war. Sie beruhigte mich und sagte, er würde schon wieder nach Hause kommen. Ich fing mich und baute das Bett allein zusammen. Der Herzmann erwähnte kurz zuvor nämlich noch etwas, das das Zusammenbauen wirklich easy machte. Kurz danach war er wieder da. Wir schwiegen. Ich ging nochmal ins Kinderzimmer und machte ein Bild vom Umbau und blieb eine Weile auf dem Boden sitzen. Der Herzmann folgte irgendwann, zog mich hoch und nahm mich fest in den Arm. Wir entschuldigten uns beieinander und küssten uns schließlich.

Wir streiten sehr selten, alle paar Monate, dafür dann aber sehr heftig. Eventuell fragt ihr euch, wieso man wegen so was so austicken kann. Es ging nicht primär um die geklemmten Finger und den damit verbundenen Schmerz. Wir hatten sehr harte Wochen mit den Jungs durch. Kaum Schlaf, ewig krank- jeder von uns. Genau die Nacht vor dem Streit bekam der Herzmann nur etwa 2 Stunden Schlaf. Und dann kam dieser Umbau vom Bett, der nicht gelang, quängelnde Kinder und eingeklemmte Finger. Manchmal bringen einen vermeintliche Kleinigkeiten dann so auf die Palme, sodass es eskaliert. Irgendwann ist das Fass voll und ein kleiner Tropfen bringt es zum Überlaufen.


Ich denke, dass jeder aus seiner Beziehung, ob aktuell oder vergangen, solche Situationen kennt. Situationen, in denen man sich später denkt „Was war das denn? Wie dämlich wegen so was zu streiten.“ In dem Moment aber ist es mehr als ernst und real. Und auch so Kleinigkeiten sollte man ernst nehmen. Vor allem, wenn es öfter zu solchen Auseinandersetzungen kommt. Viele können ihren eigentlichen Kummer schwer oder gar nicht benennen, doch es ist wichtig sich seinen Problemem zu stellen. Denn wenn man mit sich selbst nicht klarkommt, fällt es anderen ebenfalls schwer mit einem umzugehen. Beziehungen sind immer Arbeit. Und wenn ich zum Herzmann sage, dass er sich verpissen soll, dann meine ich das in dem Moment auch wirklich so. Das weiß er. Und so geht er. Aber er kommt immer wieder und niemand stellt deswegen automatisch die Beziehung in Frage.

Es gibt Streit und es gibt Streit. Mit meinem Beispiel möchte ich einfach aufzeigen, dass natürlich auch wir streiten und das dann auch heftig. Natürlich werdet ihr keine Bilder aus diesen Situationen zu Gesicht bekommen. Umso wichtiger sind mir die heutigen Worte in diesem Beitrag:

Keine Beziehung ist perfekt. Keine Beziehung ist nur rosarot. Keine Beziehung ist ohne Streit. Keine Beziehung ist ohne Sorgen.

Aber eine Beziehung sollte im Kern immer ehrlich, aufrichtig und liebevoll sein.

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Elisa
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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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