Schübe- Was das Thema wirklich mit mir macht!

Die meisten von uns, mich eingeschlossen, beschäftig(t)en sich bereits in der Schwangerschaft mit vielen Themen, die die Zeit mit Baby(s) behandeln.


Was mich allerdings nie wirklich interessierte waren „Schübe“. Ich las mal, dass man in so einer Zeit besonders viel Zuneigung und somit Sicherheit vermitteln sollte und so war die Sache für mich eigentlich klar: Meinem Kind geht es kacke. Ich zeige dir, dass du nicht allein bist.

Und natürlich klingt das in der Theorie so super einfach und selbstverständlich. Zumeist muss man sich aber selbst noch an all diese neuen Aufgaben, Situationen und vor allem Gefühle gewöhnen und schon beginnt das Baby an zu weinen, was einen ratlos macht. Okay, du bist satt, sauber, ausgeschlafen… wieso weinst du noch? Ich bin doch da. Das muss doch helfen. Man selbst ist müde, hungrig und kann sich an die letzte Dusche nur schwer erinnern.

Bei vielen Neu-Mamas, deren Kinder im gleichen Alter sind, liest man schnell etwas von Schüben. Achja, da war ja was … Aber passt das bei uns? Wenn man sich dann dazu beliest, erfährt man, dass Schübe 4 Tage oder auch 4 Wochen dauern können. Okaaay … Hilft mir jetzt irgendwie nicht soo sehr. Tröstet auch nicht.

Im Internet findet man verschiedenste Meinungen zu Schüben- und vor allem Zeiträume! Die einen erzählen einem was von Schüben in der 5. und 8. Lebenswoche. Weiter geht es dann im 3., 4., 6., 7., 9. 11., 13. und 14. Lebensmonat. Also eigentlich immer. Man bekommt schnell das Gefühl, dass ein Säugling nahtlos vom einen in den nächsten Schub wandert. Zumal, wenn man Sätze wie „[…]Du stellst fest, dass Dein Baby Dinge tut und will, die es bisher noch nie getan hat. Bereits um die 14. bis 17. Woche wird es unruhiger, weil es spürt, dass sich etwas ändert. Von diesem Alter an dauern die schwierigen Phasen länger als zuvor. Dieser Sprung dauert gewöhnlich fünf Wochen, er kann sich aber auch nur über eine oder gar sechs Wochen erstrecken.[…]“ (http://www.hallo-eltern.de/m_baby/wachstumsschub1.htm) liest. In besagtem Zitat geht es um den Schub in der 19. Woche, der sich angeblich aber bereits um die 14. bis 17. Woche ankündigt. Raucht euch der Kopf? Mir schon.

Mal abgesehen davon, dass ich so vielen Schüben eher skeptisch gegenübertrete (ich zweifel Schübe im Allgemeinen nicht an!), gefallen mir oftmals darauffolgende Entwicklungssprünge nicht. Zwar wird darauf hingewiesen, dass absolut nicht alle neuen Fähigkeiten nach besagtem Schub erfüllt sein müssen, aber sein wir ehrlich. Wir, vor allem eben die Mütter, lesen uns die Stichpunkte durch und haken im Kopf ab, was unsere Kleinen können und was nicht.

Und wisst ihr was? Wenn es nach diesen Listen gehen würde, müssten meine Jungs ABSOLUT entwicklungsverzögert sein:

Meine beiden interessiert es mit ihren 5 1/2 Monaten (Oh Gott, ich habe keine Ahnung wie viele Wochen sie somit alt sind) kein Stück, ob, wie lange, wie und was wir in unserem Mund kauen. Dieses Interesse zeigen manche (!) Kinder wohl nach dem 2. Schub in der 8. Woche … Aha … Weiter geht es mit einem Schub in/nach der 12. Woche. Danach können sich wohl manche Kinder in alle Richungen drehen. Das hat John bisher einmal gemacht- vor einer Woche? Ebenso stecken sich die Kinder ab dann alles in den Mund. Hach, meine armen Kinder … ihre Fäuste finden sie toll und auch ihr eines Kauspielzeug. Aber sonst? Sie greifen nach Sachen, keine Frage, aber es sich gezielt in den Mund schieben? Ohje, das machen sie ja noch immer nicht! Und in diesen Listen, die ich lese, steht, dass Kinder das durchaus ab der 12. Woche können. Und dann folgt der böse 4. Schub, der sich ja bereits 2 Wochen nach dem 3. Schub bemerkbar machen kann. Viel besorgniserregender finde ich dabei aber wieder das, was Kinder können können. Nur meine nicht können. Man liest es, hält inne und fragt sich, was das jetzt eigentlich soll. Wem hilft das? Mir gibt es nur ein schlechtes Gefühl. Denn nach diesem Schub können wohl manche Kinder bereits Spielzeug auf den Boden werfen. Mein Favorit ist aber dieser Punkt: „Es versteht ein oder mehrere Wörter richtig, guckt z.B. zum Teddy wenn sie fragen: „Wo ist der Teddy?“ „ (http://www.hallo-eltern.de/m_baby/wachstumsschub2.htm#4._Sprung).

Meine Kinder greifen noch nicht einmal bewusst nach einem Teddy! Wie bitteschön sollen sie dann dahin schauen, wenn ich sie nach dem Teddy frage? Wir sehen uns täglich Bücher an. Unter anderem ist da auch ein Teddy drin. Sie schauen Sekunden drauf und dann über das Buch oder wollen es anknabbern. Sie finden es toll, wenn ich mit ihren Schnuffeltüchern (dort sind Tierköpfe dran- klingt irgendwie grausam) vor ihrem Gesicht tanze, aber danach direkt greifen? Nein. Nur bei direkter Berührung, wenn ich zB mit dem Tuch zu ihrem Gesicht komme.

Ich erfreue mich daran, dass ich meine Kinder als sehr ausgeglichen empfinde (und wir haben schon verdammt harte Tage, Abende und Nächte durch), bin stolz, dass sie sich zur Seite drehen, um an ein Spielzeug besser herankommen. Aber nach dem Teddy gucken, wenn ich sie danach frage?!

Wisst ihr, was solche „Ratgeber“ mit mir machen? Sie verunsichern mich. Meine Kinder beherrschen manche Dinge nicht, die man angeblich nach einem Schub in der 8. Woche können könnte. Ich finde es gut, wenn einem gesagt wird, dass bereits Säuglinge Entwicklungsschübe durchmachen und sie in dieser Zeit nochmals mehr Liebe brauchen. Damit kann ich gut leben. Womit ich aber nicht leben kann ist dieser indirekte Druck, der geschürt wird. Solche Listen machen Druck. Punkt. Und wer dem widerspricht, dem gratuliere ich, denn anscheinend kann das eigene Kind ja alles von der Liste. Nur dann kann man diese Liste echt mögen.

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob meine Kinder einen Schub durchmachen. Nach meiner Meinung würde ich fast behaupten, so etwas wie Schübe gab es hier bisher noch nicht. Vielmehr denke ich aber, dass wir einfach Glück haben und gewisse Phasen nur wenige Tage anhielten- anstatt bei vielen anderen Wochen.

Wir haben so schon genug mit Konkurrenzdenken zu kämpfen. Wenn man dann Kinder bekommt, nimmt dies nochmals eine ganz neue Dimension an. Eine zumeist schreckliche und vor allem erdrückende. Es fällt einem schwer sich mit anderen Mütter über die Erfolge derer Kinder zu freuen, wenn das eigene scheinbar (laut Listen) so hinterher ist. Obwohl der Kinderarzt zufrieden ist, schaut man auf all die anderen Menschen im Social Media und zweifelt. Zweifelt an sich. Zweifelt vielleicht sogar am Kind! Dabei möchten wir doch vor allem das erste Lebensjahr, in dem fast täglich Erste Male geschehen, genießen. Doch mit Sätzen wie „Ach? Dein Kind kann das noch nicht?“ scheint dieses Ziel manchmal unerreichbar.

Jedes Kind hat sein Tempo. Das merke ich besonders als Zwillingsmama. Ich beobachte, bewerte aber nicht. Das eine Kind kann das früher, das andere wiederum das. Völlig normal und mega cool! Wie langweilig wäre das denn bitte, wenn beide auf den Tag oder die Woche genau alles zusammen erlernen. Will ich gar nicht.

Was ich aber auch nicht will: Druck gemacht bekommen! Daher lasse ich solche „Ratgeber“, die für mich keine sind. Und nochmal: Ich zweifle Schübe nicht an. Nur in der Häufigkeit tue ich dies. Wenn es danach ginge, müssten wir alle die ersten 14 Monate kleine Tyrannen bei uns haben. Haben wir gar nicht? Komisch. Nehmt nicht immer alles 1:1 an und glaubt jeder Internetseite. Glaubt euch und eurem Kind. Es gibt so viele andere Gründe, weshalb euer Leben mit Kind gerade stressiger ist und weshalb das Einschlafen plötzlich wieder ein Problem ist. Dies ist nicht gleich ein Schub.

Und vor allem: Schaut nicht darauf, was andere Kinder im gleichen Alter können! Kaum eine Mutter sagt, was ihr Kind eben noch NICHT kann. Der Sohn der Freundin krabbelt vielleicht schon los, will aber von Brei und Co. nichts wissen. Dein Kind wiederum findet Brei spitzenmäßig, guckt dich bei deiner Frage nach dem beknackten Teddy aber nicht einmal an- und den Teddy erst recht nicht. So what?! Ist dein Kind jetzt blöder als das Kind deiner Freundin? Oder sind die Zwillinge einer Instamum deinen gefühlt 2 Monate voraus, obwohl deine älter sind?


Ich gebe nichts auf Schübe und ich freue mich mit euch Muttis, wenn eure Kleinen Fortschritte machen, auch wenn meine vielleicht sogar älter sind und mich nur angucken wie ein Auto (tun sie ja nicht mal- das kommt wohl erst im Teenie-Alter).

Denn eure Kinder sind klasse! Und meine sind es auch!

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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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