[Satire] Wie ist das so mit Zwillingen?

Schön.

Aber wie das halt so ist: Bei einem solch komplexen Thema wie FAMILIE reicht ein einziges Wort nie und nimmer aus. Mit Kindern wird das eigene Leben in den Mixer geworfen mit so vielen verschiendenen Zutaten, die man vorher nicht einmal im Ansatz benennen konnte. Abgesehen von der eigenen Gefühlslage, die sich unbeschreiblich verändert, muss man nun auf ganz andere Dinge achten. In erster Linie auf einen anderen Menschen, der absolut keinen Plan hat, was er hier eigentlich soll und was um ihn herum geschieht. Da muss man dann begleiten, Schutz geben und Empathie vom feinsten zeigen.

Nun muss ich sagen, dass ich das gleichzeitig mal 2 zu absolvieren habe: 2 planlose Wesen, die bis heute noch nicht ganz sicher zu sein scheinen, ob ich nun lustig oder gruselig bin. In ihrer Anwesenheit nehme ich Tonlagen an, bei denen selbst Mariah Carey (den Namen musste ich googlen) vor Neid erblassen würde- da bin ich mir absolut sicher. Und nun hat man also permanent ein kleines Publikum vor sich, welches unterhalten werden möchte. Im Bestfall haben sie gleichzeitig Bock drauf. Mehrlingseltern werden nun herzhaft lachen. Passiert nämlich so selten, dass dieses Szenario grundsätzlich also gar nicht existent ist.

Die Realität

Ein Beispiel: Diese sieht so aus, dass ein Kind die 5 Minuten seines Lebens hat und entsprechend extrem gut drauf ist, tanzen, klatschen, lachen und gekitzelt werden will. Nur blöd, dass es da das andere Kind gibt. Jenes, welches, wenn es könnte, einer Puppe den Kopf abreißen würde. Aber natürlich gibt es noch so vieler unfassbar spannender (nicht) Gefühlslagen, die bereits ein Säugling einnehmen kann. Und mit ein wenig Liebe im Herzen möchte man natürlich, dass es allen Kindern gut geht. Der Instinkt leitet einem zu dem Kind, welches keine Lust auf Party hat. Man will helfen und meist reicht es schon da zu sein, wenn es nicht gerade wegen Hunger, müde, Pipi weint. Das wiederum findet nun aber das Duracell- Kind blöd. Jap, das fängt relativ früh an…

Also wieder zurück zur Party- Gang mit dem Emo- Kind und … ja was eigentlich? In erster Linie versucht man zusammen mit dem gut gelaunten Kind die Stimmung zu heben, sodass diese auf das andere Kind übergeht. Klappt meist eher nur mäßig. Im schlimmsten Fall wird es sogar noch schwieriger und weint vielleicht sogar los. Also wieder beruhigen während das andere Kind ebenfalls Aufmerksamkeit einfordert. Das geht so lange bis entweder das quängelige Kind doch noch spielen will oder das ehemals gut gelaunte Kind nun selbst so gefrustet ist, dass man wenigstens beide Kinder in der gleichen Stimmung hat. Letzteres wird dann oftmals von Hunger und/oder Müdigkeit begleitet. Die beste Kombi, die man abfassen kann. Nicht.

Alltag. Immer.

 

Nun heulen also 2 Kinder um die Wette, man macht Essen warm oder eben eine Flasche. Besonders bei Brei gibt es noch den Glücksfall, dass ein oder mehrere Kinder heute prompt KEINEN Blumenkohl möchten. Frust baut sich auf, die Ohren klingeln, die Kinder nehmen eine seltsame Farbe an, die entweder auf Luftmangel oder Darmaktivität hinweist. Profitipp: Werden sie blau ist es Luftmangel. Bisher war bei uns diese Farbe auf letzteres und Aufgebrachtheit über die selten dämliche Mutter zurückzuführen. Bei Alarmstufe Dunkelrot gibt es einen Dinkelkeks in die Babyhände, damit die grenzdebile Erziehungsberechtigte anderes Essen auf den Tisch bringen kann. 

Sind nun beide Kinder satt, sind sie meist auch danach müde. Wirklich? Also hier nicht! Meist ist einer müde, der andere muss sich auch hinlegen (diese Rabenmutter) und schläft im Bestfall einfach aus Langeweile ein. Viel öfter ist es aber so, dass man mit einem Kind spielt während das andere schläft- für 20 Minuten. Danach wird nur zu gerne gewechselt. Auf Mittagsschläfchen kann man sich auch nicht wirklich verlassen. Es gibt Tage, an denen die Kinder über den Tag verteilt keine 2 Stunde schlafen. Jeder zu seiner Zeit und in kleinen Etappen. Hat man als Alleinstehende 10 Minuten für den Geschirrspüler gebraucht, kommt es heute nicht selten vor, dass ich beim Ein- oder Ausräumen mehrmals gebraucht werde bis ich vergessen habe, was ich eigentlich vorhatte. Spät abends fällt es mir dann auf- oder mitten in der Nacht, weil ich Fläschchen mache.

Ohnehin macht nahezu immer einer den anderen wach. Mittlerweile gibt es hier ein recht ausgeklügeltes System: Mit Fingernägeln an Stoff oder Holz kratzen. Glaubt mir, klappt super! Also zum Aufwachen … Und so steht man nachts mindestens zweimal auf, um den Herren ihre warme Milch zu kredenzen. Überhaupt darf man sich darauf verlassen, dass mehrmals in der Nacht die Schnuller gesucht werden. Da hilft auch kein hübsches Schnullerband, wenn man den Schnuller in der Achselhöhle verstaut. Heulen vorprogrammiert.


Keine Satire:

Wenn sie dann aber doch mal friedlich schlafen oder sich miteinander beschäftigen, sich kaputtlachen wegen „gar nichts“, vor Freude zu Musik oder meinem Gesang wippen und die Arme nach einem ausstrecken und „Mamamamam“ brabbeln, steigt in mir so viel Liebe auf, dass es fast weh tut. Und wenn ich ganz genau in mich hineinhöre, dann ist mir klar, dass ich diese Liebe auch spüre, wenn sie mich gerade nerven oder die Situation mich überfordert, ich an mir zweifle und mitleide, weil es ihnen nicht gut geht. Denn diese Liebe verschwindet nicht. Nie wieder so lange ich lebe. Nur in schwierigen Momenten ist diese nicht bewusst abrufbar. Die Tatsache, dass ich sie aber nicht weinen lasse, bei ihnen bleibe und sie begleite, auch wenn ich gerade selbst keinen Bock darauf habe, da mir die Kraft fehlt, so ist doch mehr denn je in diesen Momenten klar, was für eine Liebe herrscht. Ich bleibe, auch wenn es schwierig ist. Egal, was ist und kommt.

Und wenn man mich also fragt wie das so mit Zwillingen ist, sage ich „Schön“ und belasse es dabei.

Dabei meine ich eigentlich:

Aufregend, ermüdend, lustig, laut, nicht planbar, anstrengend, auch mal ganz leise, so liebevoll, nervtötend, verrückt, dankbar, stinkend, schnell, lehrreich, schmutzig, herzerwärmend, stolzmachend, chaotisch, nicht rückenschonend, aber ein perfektes Training für die Arme. Also eigentlich ganz normal. Nur eben direkt doppelt.

Selbst damit ist noch lange nicht alles gesagt. Ich stecke so präsent in diesem verrückten Leben, das mir vermutlich erst mit erwachsenen Kindern bewusst wird, was tatsächlich abging und wie ich es rückblickend empfunden habe. Aber so oder so: Zwillinge fetzen!

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Elisa
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2 Comments

  • Sven Mai 23, 2017 03.09 pm

    Oh ja, bei uns ist das schon etwas her, aber ich kann mich noch an das Hin und Her sehr gut erinnern.

    Reply 
  • Manu Mai 21, 2017 01.11 pm

    Toller Beitrag! Warst du bei mir zuhause? So siehts bei uns aus 🙂 und ich liebe es!!!

    Reply 

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About Me

Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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