„Nevins Geburt“ von Ninja

Am Samstag, den 20.01.2016, fing es an. Darauf hatte ich so sehnlichst gewartet!

Ab 14 Uhr hatte ich das Gefühl, dass die Wehen nun beginnen. Es waren starke Regelschmerzen und der Bauch war knallhart wie aus Beton.
Sie wurden nach und nach immer regelmäßiger. Erst nach einer stunde , dann nach 40 min. , nach 30 min. bis sie dann alle 7-8 Minuten kamen.
Ich habe auf der Couch gesessen, mich ausgeruht und fern gesehen. Es war sehr unangenehm, aber es war auszuhalten. Mein Freund kam gegen 19 Uhr nach Hause, wir haben zu Abend gegessen und dann den Film „Death Pool“ gesehen. Teilweise war es super schwer mich auf den Film zu konzentrieren ,da die Wehen schon echt weh getan haben.
Gegen Mitternacht sind wir dann ins Bett gegangen. Ich wollte mich noch etwas ausruhen und irgendwie wollte ich einfach noch nicht ins KH fahren. Habe dann noch mit meinen Eltern telefoniert und Freundinnen geschrieben. Das mit dem Ausruhen war dann eher nicht, denn die Wehen kamen alle 5 Minuten und ich habe dann um 2 Uhr meinen Freund geweckt das wir nun doch ins Kh fahren. Ich hab dann im Kreißsaal angerufen und dann ging es los. Es war eine kalte Nacht und als wir ankamen hat es wie aus Eimern geregnet.
 
Im Kreißsaal angekommen wurde ich gleich an das CTG angeschlossen und wir konnten die Wehen nun auch bildlich sehen. Dann hat sie untenherum alles kontrolliert, mein Muttermund war noch zu, aber alles butterweich, der GMH stand auch noch. Sie wollten uns dann noch mal nach Hause schicken, aber weil ich mir so unsicher war haben wir uns dazu entschieden, doch im Kh zu bleiben und haben dann ein Zimmer bekommen. Wir sollten versuchen zu schlafen , doch ich konnte nicht schlafen, da die Wehen echt richtig weh taten und immer noch alle 5 Minuten kamen. Es kam mir ewig vor das ich da im Bett lag , saß , gelaufen , gewippt und gehockt habe. Aber dann war es gegen 6 Uhr früh und die Schwester hat mich dann noch mal zum CTG geholt. Man konnte wieder schöne regelmäßige Wehen sehen; nur waren sie nicht so lange wie Wehen eigentlich sein sollten. Der Muttermund hatte sich nun leicht geöffnet und der GMH hatte sich verkürzt. Sie sagte, dass sich der Kleine aber noch nicht mit seinem Köpfchen ins Becken eingestellt hat. Sie meinte, er ist noch locker und „weit weg“. Da der kleine so groß und schwer geschätzt wurde hatte die Hebamme sicherheitshalber einen Zugang gelegt falls es doch zu einem KS kommen sollte. Aber da habe ich noch lange nicht über einen KS nachgedacht.
 
Für mich stand fest: Er kommt auf natürlichem Wege.
 
Wir wurden dann erst mal wieder aufs Zimmer geschickt und ich sollte versuchen viel zu laufen und mich zu bewegen. Im Zimmer ging dann bei mir der Schleimpfropf ab. Nach 2 Stunden ging es dann wieder zum CTG und Untersuchung. Der Muttermund war nun 2 cm offen und der Kopf nun fest im Becken. Ich hab mich echt gefreut, denn es war endlich ein kleiner Fortschritt und man sagt ja, wenn das Köpfchen mit drückt geht dann auch der Muttermund besser auf. Also wieder ins Zimmer Wehen veratmen.
Nach 2 Stunden ging es wieder runter in den Kreißsaal. Es war nun Hebammenwechsel. Die Hebamme von der Nacht guckte noch mal nach und sagte „3 cm Muttermund und das Köpfchen ist irgendwie wieder weit weg“ …. also hat sie sich mit der neuen Hebamme unterhalten und die neue hat noch mal nachgesehen. Sie meinte dann gleich „Zu“ und dass sie glaubt, dass das mit einer normalen Geburt nichts wird, weil sich der Kopf einfach nicht in mein Becken rein dreht. Mein Bauch stand auch noch extrem hoch. Wir sollten dann zum Arzt das er den Kleinen noch mal ausmisst und mein Becken und da wurde er auf großzügige 3800g geschätzt. Er meinte, es wird sicher weniger sein. Dann hat er mein Becken gemessen und meinte, dass das auf jeden Fall passt, also wenn ich es weiter versuchen möchte kann ich es natürlich machen. Die Hebammen haben sich dann auch noch mal beraten weil ja die erste meinte, dass der Kopf zwischenzeitlich schon mal im Becken war, doch die neue war davon überzeugt das es nicht funktionieren würde. Gemeinsam haben wir uns beraten und ich habe mich entschieden, es trotzdem zu versuchen. Trotzdem wollten sie nochmals mit einem anderen Arzt reden wie wir weiter verfahren wollen da es ja nun leider auch nicht richtig vorwärts ging, denn es war ja mittlerweile schon Nachmittags am 21.02.16. So langsam wurde ich dann aber doch ungeduldig und die Wehen immer stärker und ohne veratmen ging nichts mehr. Ich empfand es als sehr angenehm auf so einem Gymnastikball zu wippen und mein Becken zu drehen. Wieder beim CTG sah man nun auch sehr starke und lange Wehen und ich war da schon ziemlich fix und alle.
Nun wurde überlegt wie es weiter geht: Blase sprengen und Wehentropf oder Leck-Mich-Am-Ars.. Spritze, damit ich mich noch mal ausruhen kann denn der E.T ist ja schließlich erst Morgen also der 22.02.16 (fand ich etwas sinnlos die Aussage von dem Arzt). Ich wollte Blase sprengen und Wehentropf, weil ich es endlich hinter mir haben wollte und endlich mein Baby im Arm halten. Nur wurde über meinen Kopf hinweg entschieden, das ich die Spritze bekomme. Am Anfang fand ich die Spritze ganz okay. In den Wehenpausen war es ganz angenehm, denn ich war wie in Trance , aber dann wurde es heftig. Es hat alles gerauscht im Kopf und mir war so schwindelig als hätte ich einen Haufen Schnaps getrunken.  1/2 Stunde Später fühlte ich mich wirklich wie zu viel gesoffen, denn dann fing ich an nur noch zu brechen und ich sage euch unter einer Wehe brechen ist echt Horror. Abends zu 22:30 sollten wir dann aber wieder hoch ins Zimmer und da die Wehen veratmen und noch mal ausruhen , doch da hab ich es nicht lange ausgehalten und wir sind wieder runter in den Kreißsaal. Ich war so fix und fertig und hatte keine Kraft mehr, da ich nicht mal einen Schluck Wasser drin behalten habe. Unten im Kreißsaal hab ich dann angfangen bitterlich zu weinen, weil ich einfach so alle und müde war. Dazu dann die Ungewissheit wie es denn nun weiter gehen soll, denn ich war ja nun schon fast 24 Stunden im Krankenhaus. Wieder CTG und Untersuchung – Muttermund nun 4-5 cm offen, ABER der Kopf immer noch nicht fest im Becken. Die Schmerzen stiegen ins unermessliche und ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Es fühlte sich an, als hätte ich gar keine Pause mehr zwischen den Wehen und wenn doch, habe ich mich übergeben. Mein Freund war jede einzelne Sekunde an meiner Seite und hat mich nicht eine Sekunde allein gelassen. Ich glaube, er war nicht ein Mal auf Toilette. Und er hat bei jeder Wehe meine Hand genommen und mich gehalten, für mich der perfekte Begleiter!
Dann habe ich einen Tropf bekommen, damit ich etwas Flüssigkeit zu mir nehme und noch mal die LMA-Spritze. Ich konnte die Wehen kaum noch aushalten. Es war einfach unfassbar schmerzhaft und mir liefen die Tränen. Damit es nun doch endlich mal so richtig woran geht machten wir doch noch den Wehentropf dran, denn der Muttermund blieb einfach bei 5 cm… dann wurden die Wehen noch schlimmer und ich musste lautieren. das sprang die Fruchtblase und ich wurde von Wehe zu Wehe lauter mit meinem AAAAAA . Mittleiweile war es 6 Uhr am 22.02.2016 und wieder Hebammenwechsel. Mein Freund kamen nun auch die Tränen- er war auch fix und fertig mich so leiden zu sehen. Die neue Hebamme kontrollierte noch mal und immer war der Kopf nicht richtig im Becken. Dann hab ich die neue Hebamme echt angefleht, dass ich nicht mehr kann, sie solle irgendwas machen und ich hatte das Gefühl, dass sie mir gar nicht richtig zuhört und mich nicht ernst nimmt, dass ihr keiner gesagt hat wie lange ich schon in den Wehen liege. Ich glaub, ich hab noch nie einen Menschen so angebrüllt, aber ich konnte nicht anders ich hab dann geschrien, dass ich nicht mehr kann- bestimmt 3x . Und dann hat sie endlich den Oberarzt geholt. Dieser untersuchte und sagte, dass wir sofort einen Kaiserschnitt machen müssen.
 
Und dann ging alles sehr schnell.
 
Ich bekam einen Wehenhemmer , Katheter wurde gelegt und habe die Papiere unterschrieben und dann ging es schon los in den OP mit noch heftigeren Wehen. Der Wehenhemmer half gar nicht. Das ganze hab ich aber nur noch mitbekommen wie in einem Film, der so an mir vorbei läuft. Im OP auf die Liege und eine Stimme hinter mir sagte immer „Ja, das machst du gut. Immer schön weiter atmen“ da ich ja die Wehen immer noch ordentlich veratmen musste. Nun musste ich einen Katzenbuckel machen- ein kleiner Pieks und die Spinal- Anästhesie wurde gelegt, also wie eine PDA .Dann fingen meine Beine an zu kribbeln wie 1000000 Ameisen, die herum krabbelten. Und endlich spürte ich keine Wehen mehr! Das war so wunderbar. Doch dann kam der Gedanke …. -Wo verdammt ist mein Freund- Grüne Vorhänge wurden über mich gehängt, so das ich nichts unter meiner Brust sehen konnte. Und ich wurde verkabelt. Dann musste ich unbedingt fragen, wo mein Freund ist und sie sagte mir, dass er gleich dazu kommt, da war ich richtig erleichtert. Nun wurde getestet, ob die Narkose schon wirkt und ich hab gemerkt wie mir jemand in den Bauch piekt also mussten wir noch einen Moment warten. Dann kam endlich mein Freund dazu, ganz in grün. Er hatte Tränen in den Augen und ich sah, dass auch er fix und fertig war. Nun ging es los es: Es ruckelte wie verrückt – als würde mein ganzer unterer Körper durchgeschüttelt. Dann sagte eine Schwester, sie müssen künstliche Wehen erzeugen also auf den Bauch drücken. Für mich fühlte sich es an, als wäre ein Wrestler auf mich gesprungen. Aber es tat alles nicht weh, es war nur komisch. Mein Freund und ich guckten uns die ganze Zeit gespannt in die Augen und warteten sehnlichst auf den kleinen Schrei. Und dann kam dieser eine Moment.
 
Der erste Schrei.
 
Der erste SCHREI von unserem SOHN. Unbeschreiblich schön. Wir haben beide vor lauter Freude geweint und dann kam ein kleines Hatschi hinterher.
Wir warteten gespannt darauf, dass wir ihn endlich sehen dürfen. Doch es zog sich ewig. Ich habe 3x meinen Freund gefragt, ob er was sehen kann und er meinte nur ein mal, dass er glaubt gesehen zu haben, dass er blond ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit war es soweit. Die Schwester kam und unserem kleinen Bündel voller Glück und zeigte uns unser kleines Wunder. Es war überwältigend. Ich habe seine kleine zarte Hand gehalten und dann ist mein Freund mit der Schwester und unseren Baby in den Kreißsaal gegangen.
Ich hörte nur ein Saugen wie diese Spuckesauger beim Zahnarzt und dann machte es bestimmt 15x Tack tack wie bei einem Drucklufttacker . Mir wurde wieder übel und ich bekam gleich ein Mittel dagegen. Das würgen war komisch, da ja mein Bauch taub war. Dann durfte ich ins KH- Bett und wurde rein gehoben vom Arzt und den Schwestern. Man sieht wie jemand deine Beine anpackt, aber du spührst es nicht, das war echt richtig komisch, aber ich wollte jetzt nur noch zu meinem Sohn und meinen Freund.
Der Dr. höchst persönlich hat mich mit dem Bett in den Kreißsaal geschoben und ist dabei auch noch aus Versehen gegen die Wand gefahren.
 
 
Da stand mein Freund an dem kleinen Bettchen, darin lag unser Sohn. Die Hebamme machte grad ein Foto von ihm und dann eine Abdruck von seinem Fuß. Dann wurde mir mein kleiner Nevin H. T. endlich auf die Brust gelegt und er hat gleich kräftig gesaugt. Wir waren dann noch ca.2 Stunden im Kreißsaal und haben unsere erste Zeit gemeinsam zu Dritt genossen.
Dann waren wir gemeinsam noch 5 Tage in dem schönen Familienzimmer.
 

Vielen lieben Dank für diesen spannenden Geburtsbericht! Du hast wirklich alles gegeben und ich bin froh, dass nach den doofen Hebammen wenigstens die OP für dich ganz okay gewesen zu sein scheint. Auch bin ich sehr dankbar für diese Art von Geburtsbericht, denn viel zu wenige trauen sich nicht von ihrem Kaiserschnitt zu berichten. Dabei ist auch das kein Zuckerschlecken. Liebe Ninja, dir und deiner Familie alles Liebe!


 

Möchtest auch Du Deinen Geburtsbericht mit uns teilen und auf dem Blog veröffentlichen? Dann schicke diesen mit 2 Bildern deiner Wahl (zB. Babybauch und Babybild, Gesichter müssen nicht zu erkennen sein) an: elisa@doppelte.ueberraschung.de

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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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