Mit Zwillingen allein zum Arzt

Wie immer lagen die Termine so, dass es für uns als Familie gut passt. Zu festen Terminen beim Kinderarzt musste ich bisher noch nie allein gehen. Und das eine Mal, das die Kinder nun so krank waren und wir spontan Montagfrüh im Wartezimmer saßen, hatte der Herzmann glücklicherweise frei.

Somit habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, wie das eigentlich so läuft mit 2 Kleinkindern, wenn man mit ihnen zum Arzt muss. Dank spontanem Besuch vom Gutachter bezüglich der Schimmelthematik in unserer Wohnung befand ich mich plötzlich mit einer absoluten Horrorvorstellung konfrontiert:

Mit Zwillingen allein zum Arzt!

Ach.Du.Scheiße.

Mich nahm das nervlich wirklich mit, obwohl ich anderen gegenüber total cool tat. Es ist wie es und da muss man jetzt durch. Denn dieser Impftermin wurde bereits um 2 Wochen verschoben und ich wollte das weg haben bevor die nächste Krankwelle uns erfassen würde. Doch in der Nacht schlief ich sehr unruhig und war ich wach genug, dachte ich nur an diesen verflixten Termin. Und an den Gutachter, der MIR das einbrockte. Aber der Schimmel muss weg und die Kinder brauchen ihren Stoff und Muddi in allem Gewissheit und Fortschritte. Also ab die Post.

Das Wetter begrüßte uns mit Wind und Sprühregen und auch den Jungs gefiel das ganz und gar nicht, dass wir bereits vor 9 Uhr (Wie kann man das einem Kind nur antun?! 😉 ) das Haus verließen. Pünktlich beim Arzt brachte ich zunächst ein Kind nach dem anderen in das noch leere Wartezimmer. Pfiffig wie ich war hatte ich die Impfausweise bereits ausgekramt und auf den Thresen gelegt. „Wir brauchen noch die Versichertenkarten.“ Verdammt. Ist ja ein neues Quartal. Also nochmal im Rucksack gekramt und vorgelegt. Das Wartezimmer füllte sich. Nach einer Weile fiel mir auf, dass ich die einzige Mutter zu sein schien. 3 Väter plus Söhne (!) saßen dort mit den Jungs und mir. Nun verstand ich wie sich ein Vater beim Babyschwimmen fühlen müsste.

John und Logan spielten ein wenig und wir mussten auch gar nicht lange warten bis wir aufgerufen wurden. Die Arzthelferin trug auf meine Bitte hin Logan in den Untersuchungsraum. Wir waren kaum drin da war sie schon weg. Öööh … okay. Ich setzte John auf den Boden, der fröhlich durch die Gegend krabbelte. Logan zog ich derweil aus. Aber was nun? Ich legte meine Jacke (ehrlich wahr) auf den Boden. Da drauf setzte ich Logan mit einem Kinderbuch über Moses, das dort lag, und bat ihn, sich ein wenig mit dem Alten Testament auseinander zu setzen. Ich schnappte mir John und zog auch ihn aus. Logan mag Bücher nur, wenn sie Musik machen. Hätte mir denken können, dass er keine zehn Sekunden sitzen bleibt. Als John auch nur noch im Body war, wollte Logan gerade den Türstopper ablecken. Abhärtung ist so wichtig. Aber bitte ohne Türstopper einer Arztpraxis. Mit John auf dem Arm hastete ich rüber, schnappte mir Logan (zum Glück kann er mit Hilfe schon aufstehen) und wippte die beiden durch den Raum. So 30 Sekunden. Danach dachte ich mir fallen die Arme ab.

Die Zeit zog sich wie Kaugummi. Ich machte ein paar Bilder von ihnen, sang für sie und bestach sie letztendlich mit Waffeln. Wir warteten in diesem Raum etwa 20 Minuten. Das war für uns 3 schon ziemlich ätzend. Sie hätten sich gern bewegt und durften nicht. Der eigentliche Termin ging dann recht fix. Sie wurden in beide Beine gleichzeitig gestochen und weinten kurz, aber heftig. John musste zuerst dran glauben. Ich nahm ihn danach so schnell es ging auf den Arm, setzte Logan, den ich zuvor trug, auf der Liege ab und als dieser hingelegt wurde und John das sah weinte er abermals auf. Hach, mein Mamaherz. Ich trug dann beide noch eine Weile auf dem Arm bis sie sich beruhigt hatten und schwups, war ich wieder allein mit ihnen. Während ich das eine Kind anzog wurde das andere abermals mit Waffeln bestochen. Klappte soweit auch gut.

Danach kam ich nochmal ordentlich ins Schwitzen mit Jacken und Mützen anziehen. Beide Kinder krabbelten mittlerweile (ich brachte nämlich schon mal meinen Rucksack zum Kinderwagen) munter durch die Praxis. Natürlich in komplett unterschiedliche Richtungen. Ich will nicht wissen wie rot mein Kopf war von der Anstrengung. Aber auch hier: Alles machbar. Schlimmer wird es vermutlich, wenn sie anfangen zu laufen.

Ihr seht also. Man kann das überleben. Auch ohne bleibende Schäden (behaupte ich jetzt mal). Aber auf Wiederholung habe ich vorerst keine Lust. So oder so lässt es sich aber auf Dauer natürlich nicht vermeiden. Die Jungs waren mega tapfer und trotz Müdigkeit und Hunger wirklich gnädig mit mir.

Zuhause war die Welt schon wieder vollkommen in Ordnung und es wurde getanzt, gesungen und gelacht.

About the Author

Elisa
Author with 44 posts
More about Elisa

Related Articles

1 Comment

  • MAry Oktober 30, 2017 02.48 pm

    Respekt meine Liebe. Ich finde es mit einem Kind alleine beim Kinderarzt schon schlimm. Nicht ein einziges Mal ist der Papa mitgekommen. Mit 2 Kindern kann und möchte ich mir das ganze gar nicht vorstellen, vor allem die Auszieh- und Anzieharie. Da bekomme ich beim lesen schon Schweiß auf der Stirn (nun hätte ich doch fast „Stirn auf der Schweiß“ geschrieben) .

    Reply 

Leave a Comment

About Me

Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

Newsletter

Vernetze dich mit anderen Elternbloggern!

Vernetze dich mit anderen Elternbloggern!

Egal, ob mit Kinderwunsch, Schwangerschaft oder als Eltern. Zeige dich und deinen Blog!

Besucht mich doch auf

Besucht mich doch auf

Mein Interview auf „Einer schreit immer“

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen