Flashback: Frühchenstation

Es war bereits bei unserer Entlassung von der Frühchenstation geplant, dass wir zum einen die ganz kleinen Sachen der Jungs spenden würden und auch, wann dies in etwa sein würde. Denn mit der Entlassung bekamen wir auch direkt einen Termin für die Kinderchirurgie. Diese Praxis befindet sich direkt neben dem Krankenhaus.

Somit sortierte ich vor einigen Tagen die Sachen aus, die wir spenden wollten. Ich finde es noch immer faszinierend, welchen Unterschied es macht, sein Kind in richtige Babysachen zu stecken. Nicht in diese seltsamen Strampler und Jäckchen vom Krankenhaus mit fettem Logo drauf. Nein, so richtige süße Sachenmit Häschen und Ballons und dem ganzen Kram. Auch gab es eine besondere Schwesternschülerin (mittlerweile ist sie ausgelernt und wir werden sie wohl auf der Kinderstation wiedertreffen), die immer gerne Sachen für uns beiseite legte, da sie wusste, dass ich lieber unaufgeregte Sachen mag- einfarbig und zB. Erdtöne. Auch den typischen Zwillingslook wollte ich nicht zu dieser Zeit. Ich habe sie sehr gemocht!

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Man hat in so einer schwierigen Zeit selten das Gefühl wirklich Eltern zu sein. Fremde sagen einem, was die eigenen Kinder die letzten Stunden gemacht haben, man trägt Handschuhe zum Wickeln, überhaupt desinfiziert man sich ständig die Hände und auch sonst scheint man viel darauf zu warten, was einem gesagt wird. Die tägliche Routine mit dem Wickeln, 1x wöchentlich baden und das Heraussuchen von Babysachen gab einem das Gefühl ein bisschen selbst entscheiden zu dürfen. Als es dann ans Stillen ging, fühlten wir eine ganz neue Freiheit, auch wenn ich anfangs danach immer schweißgebadet war. 😀 Wir verzogen uns ins angrenzende Stillzimmer und spürten so etwas wie Normalität. Die Kinder schmatzten an meiner Brust, nickten immer wieder weg und bekamen anschließend die Flasche- wieder im Stillzimmer. Und dann blickte man auf die Uhr und die ominöse Stunde der „Versorgungszeit“ war fast verstrichen, sodass man gezwungen war die Kleinen wieder in ihr Wärmebett zu legen. Man schloss sie an den Monitoren an, drückte noch ein Knöpfchen und wartete auf die Ergebnisse. Wenn alles stimmte, wurden sie zugedeckt, mit ihren Schnuffeltüchern versehen und dann …. dann musste man gehen. Natürlich hätten wir auch da bleiben können! Aber dann sitzt man dort in einem halbdunklen Raum und macht nichts- außer 3 Stunden warten. Ich konnte aber lange nicht richtig sitzen und brauchte selbst noch die Ruhe vom Kaiserschnitt. Gewissensbisse. Jedes. Verdammte. Mal.

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Und so standen wir gestern vor dem Eingang der Frühchenstation, drückten den Knopf und warteten darauf, das sich jemand über die Gegensprechanlage meldete. Flashback … Nachnamen und Anliegen genannt, dann surrte die Tür und sprang automatisch auf. Nur diesmal blieben wir auf dem Vorflur stehen. Schwestern und eine Ärztin, die uns sehr gut bekannt waren, kamen direkt zu uns. Sie mussten den Nachnamen erkannt haben. Er ist auf seine Weise doch sehr einprägsam.

Es war richtig angenehm. Ich konnte gar nicht wirklich an Vergangenes denken, da das Personal so verzückt und ich so stolz war. Sie staunten nicht schlecht über die strammen Jungs. 😉 Und besonders Logan schenkte ihnen sein wunderschönstes Lächeln. Dann kramte ich nach den Sachen, die ich im Kinderwagen verstaut hatte. Sie freuten sich riesig! Bedankten sich tausendmal und wir taten es auch. Es war schön genau die richtigen Personen angetroffen zu haben.

Dann verabschiedeten wir uns voneinander. Der Herzmann schob den Kinderwagen hinaus. Ich drehte mich ein letztes Mal um, betrachtete die Inkubatoren, die auf dem Flur standen, sah an die Wände mit all den Bilderrahmen und Kindern drauf, die hier ihren Start ins Leben hatten und bekam feuchte Augen. Ich kenne jedes einzelne Bild. Jeden Tag sah ich sie mir an und staunte. Wir haben so ein verdammtes Glück!

Die beiden schlummern gerade neben mir auf der Couch. Ich betrachte sie und habe Tränen in den Augen. Der gestrige Besuch war gut und wichtig. Sie ohne Zweifel wieder mitnehmen zu können heilt manche Wunden. Ich merke wie etwas in mir Frieden findet.


Man wird nie vergessen. Auch nicht den Schmerz. Vor allem nicht den Schmerz.  Aber ich weiß jetzt, dass ich es verarbeiten kann. So richtig.

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Elisa
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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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