Endlich Mutter: „Ach du Scheiße!“

Bereits als Kind war für mich klar, dass ich einmal Mutter sein möchte. Entsprechend ambitioniert fungierte ich als Puppen- Mama.

Als Teenager änderte ich meinen Berufswunsch, da mir schnell klar wurde, dass man als Veranstaltungskauffrau (heißt das heute noch so?) gegebenfalls eher mäßig Zeit für die Familie hat, wenn man im Beruf vorankommen will

Nachdem der Herzmann und ich ein Paar wurden ging alles ziemlich fix. Und im Endeffekt war das gar nicht so schlecht. Schließlich ließ der erste positive Test 2 Jahre auf sich warten. Und dann:

Endlich schwanger!

20160302_180731

Ich schwärme euch immer wieder von meiner Schwangerschaft vor. Nicht zuletzt war es dank des Herzmannes so. Er nahm mir sämtliche Arbeit ab, die er mir abnehmen konnte. Im Krankenhaus, kurz vor der Entbindung, rasierte er mir sogar die Beine, weil ich einfach nicht gut genug dran kam.

Die Zeit auf der Frühchenstation war kein Zuckerschlecken und doch bei weitem nicht so anstrengend wie das, was da kam …

Endlich Mutter!

So richtig! Mit Kindern zu Hause. Kindern! 2! An die erste Woche kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Sie waren nun 6 Wochen auf der Welt und wir rotierten wie die Irren. Ich weiß einfach nichts mehr aus dieser ersten Woche. Außer an die Müdigkeit. Ich war so müde und fragte mich, wann denn nun wieder jemand käme, der mir die Kinder abnimmt. Schön, dass ihr da seid. Aber was zur Hölle passiert hier gerade?! Wer kam denn auf die Idee Mutter werden zu wollen? Ich? Ernsthaft? Wieso hat mich niemand gewarnt? Und was stinkt denn hier schon wieder so? Bin ich das oder die Babies? ICH WEIß ES NICHT!

wp-1476093619832.jpg

Man denkt, man liegt den ganzen Tag auf der Couch oder dem unechten Lammfell (wir haben kein Lammfell) vorm Kamin (den auch nicht) und kuschelt den ganzen Tag, isst nur gesundes Zeug und überhaupt sieht man einfach nur glücklich und zufrieden aus. Von wegen, liebe Leute! Ich bin ganz froh, dass es keine wirklichen Bilder aus der Anfangszeit mit den Jungs und mir zusammen gibt. Ich möchte auch gar nicht mehr wissen wie schlimm ich ausgesehen haben muss. Klar, ich war dauermüde, hatte noch mit dem Kaiserschnitt zu tun und war enttäuscht darüber, dass das Stillen nicht klappen wollte. Da darf man mies aussehen. Aber wer will das sehen? Also ich nicht.

Und doch gibt es ein paar Bilder, auf denen man zwar die Müdigkeit sieht, aber eben auch dieses besondere Strahlen, das frischgebackene Mütter ausstrahlen. Dieses zarte Leuchten in den Augen. Das ist durchaus da!

2016-09-22-12-58-57-555

Ich will aber gar nicht wissen wie oft ich die Kinder verwechselt habe- besonders nachts. Da war es mir auch einfach egal, wer gerade in meinem Arm heulte. Kind weint. Kind Hunger. Kind Flasche machen. Ugah, ugah. Kind füttern. Kind ruhig. Kind schläft. Muddi versucht auch zu schlafen. Ugah, ugah. In den meisten Fällen schlief ich beim Füttern bereits selbst ein. Nicht selten fiel mir die Flasche herunter.

Man vergisst, selbst zu essen und fürs Duschen bleibt einem auch keine Ruhe. Es herrscht im wahrsten Sinne des Wortes Ausnahmezustand. Und gerade dann, wenn man denkt, man wüsste nun wie der Hase läuft, schmeißen die Kinder wieder alles um und wollen alles ganz anders. Routine? Was ist das?

Und wie zum Geier können so kleine Menschen so viel Schmutzwäsche produzieren? Spucken, pinkeln, Windel versagt. Gerade in den ersten Monaten stieg unser Wasser- und Stromverbrauch exorbitant.

Zum Schluss der alles entscheidende Punkt. Wieso um Himmels Willen möchte man sich eigentlich so verletzbar machen? Gut, die Antwort liegt auf der Hand: Man weiß nicht, dass das mit einem passiert und vor allem nicht so. Nichts, aber auch rein gar nichts, liebe ich mehr als meine Kinder. Man muss damit klarkommen, dass man regelmäßigen Panikwellen ausgesetzt wird: Atmen sie? Essen sie genug? Ist die Temperatur noch im Rahmen? Was sie wohl gerade machen? Vermissen sie mich, wenn sie mit Oma allein unterwegs sind?

Man sorgt sich unentwegt. Mal mehr, mal weniger. Im Unterbewusstsein ist dies aber immer vorhanden. Das ist durchaus pfiffig gemacht von Mutter Natur. Auch ihre unfassbare, kaum auszuhaltene Niedlichkeit ist nicht ohne Grund so eingerichtet worden. Und doch hat man es als Mutter (und Vater) wirklich nicht leicht: Nachdem man seine Kinder auf die Welt gebracht hat, lebt das eigene Herz außerhalb. Und je größer die Kinder werden, desto öfter muss man sein Herz „abgeben“. Es entfernt sich und das kann richtig Angst machen. Diese Verletzlichkeit begleitet einen, so scheint mir, ein Leben lang.


Trotz allem bereue ich nichts und würde auch nichts anders machen. Ich bin seit heute ganz offiziell 9 MONATE Mutter. Alter Falter! Die Zeit rast. Sie rennt so sehr an uns vorbei, dass wir manchmal gar nicht verstehen, was da gerade bei uns abgeht. Und so verletzlich man sich gemacht hat mit dem Elternsein- nie war man stärker!

20170503_132137.jpg

About the Author

Elisa
Author with 44 posts
More about Elisa

Related Articles

Leave a Comment

About Me

Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

Newsletter

Vernetze dich mit anderen Elternbloggern!

Vernetze dich mit anderen Elternbloggern!

Egal, ob mit Kinderwunsch, Schwangerschaft oder als Eltern. Zeige dich und deinen Blog!

Besucht mich doch auf

Besucht mich doch auf

Mein Interview auf „Einer schreit immer“

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen