Brief an mein Kind- John

Mein Wunschkind,

in wenigen Tagen wirst du 1 Jahr alt sein. 1 Jahr, welches viel zu schnell vorbeiging. Für dich sicher nicht, aber als Mutti denkt und fühlt man anders. Immer, wenn ich an eigene Kinder dachte, stellte ich mir einen Jungen vor. Mir war klar, dass mein erstes Kind ein Junge sein wird. Und so war es auch: Du bist hier! Mein Erstgeborener, den ich mir so viele Jahre herbeisehnte.

Im Bauch warst du ein kleiner Rambo, deine Fruchtblase platzte in der 31. Woche und ich sorgte mich die knapp 2 Wochen bis zu deiner Geburt besonders um dich, doch dir ging es immer hervorragend. Und ein schöner Nebeneffekt: Durch das geringere Fruchtwasser spürte ich deine Tritte nochmal extra intensiv. So wusste ich immer, dass es dir gut ging. Auch bei der Geburt machte ich mir um dich Sorgen. Du wolltest raus, aber du musstest warten. Und aua! Wie SEHR du raus wolltest. Binnen von Minuten lagst du plötzlich auf meiner Brust hinter einem grünen Vorhang. Du warst so heiß und leicht. Als ich dich sah, wusste ich sofort, dass du mein John bist.

Die ersten Wochen waren für uns alle nicht leicht, doch du hast alles hingenommen, wenig geweint. Zuhause konnten wir uns dann richtig kennenlernen:

Es zeigte sich schnell, dass du die Situation und Menschen gern zunächst beobachtest. Du wartest und wägst ab bevor du dich zu einem Lächeln hinreißen lässt. Und viele (Fremde) haben dein bezauberndes Lächeln nie bekommen. Du weißt genau, was du willst und vor allem, was du nicht willst. Ist dein Bruder nicht in deiner Nähe, suchst du nach ihm. Nur zu gerne lutscht du an seinen Fingern und Zehen. Deine eigenen verachtest du aber auch nicht. Da stört es auch nicht, wenn du bereits Schuhe trägst. Die werden dann eben auch angeleckt. Du liebst es, wenn ich für dich singe, doch noch mehr magst du Musik. Egal, ob Rise Against, 80’s Musik oder die Titelmusik von Gilmore Girls. Du hälst inne und lauscht, manchmal wird dazu auch gewippt. Wenn ich dich auf dem Arm drehe und mit dir tanze lachst du manchmal so sehr, dass dir das Atmen schwer fällt. Ich liebe diese Verbundenheit zu dir und dass ich dir nur in die Augen sehen muss, um dein Lächeln zu erhaschen. Das macht mich natürlich sehr stolz.

Bei Essen hast du einen eigenen Geschmack und bist von neuen Dingen nicht ganz so leicht zu überzeugen. Auch findest du nicht leicht in den Schlaf, aber du weißt, dass wir da sind und alles tun, um dir dabei zu helfen. Manchmal magst du sogar kuscheln. Diese Momente sind für mich ganz besonders. Bevor du einschläfst brabbelst/singst du kurz mit. Am liebsten spielst du mit Schüsseln. Dagegen stinkt jedes bunte Spielzeug ab. Wenn du die Katzen siehst fängst du an zu lachen. Auch sie bekommen jedes Mal ein Lächeln von dir. Beim Streicheln bist du sehr vorsichtig.

Du kannst erste Worte sagen, spielst liebend gerne im Sitzen, doch vom Krabbeln oder Laufen magst du noch nichts wissen. Lass dir Zeit, das alles eilt nicht. Ich bin nicht diese typische Baby- Mutti, aber mit dir war diese Babyzeit sehr schön, wenn auch anstrengend.

Du siehst wie dein Vater aus, scheinst aber meinen Charakter zu bekommen. Eine interessante Mischung. Ich könnte mir keinen besseren ersten Sohn als dich vorstellen! Danke, dass du bei uns bist und mir zeigst zu was ich fähig bin. Durch dich wurde ich zur Mutter und ich freue mich auf diesen neuen Lebensabschnitt mit dir: John als Kleinkind! Ich weiß schon jetzt, dass es sehr spannend werden wird… 😉

Ich liebe dich so sehr, dass es manchmal schon weh tut. Du hast mich verletzlicher, aber gleichzeitig stärker denn je gemacht. Das mit uns, das passt. Das ist richtig und gut so. Und du bist für mich das perfekteste Wesen auf diesem Planeten.

 

Deine Mutti

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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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