Blogreihe: Zwillingseltern erzählen – Jasmin und ihre Frühchen

Diese Blogreihe dient vor allem dazu, um mögliche Sorgen, die man erst recht bei einer Zwillingsschwangerschaft hat, zu nehmen und zu zeigen, dass man exakt so wie die anderen tickt. So unterschiedlich meine Interviewpartner sind, so unterschiedlich sind auch ihre Geschichten: Frühgeburten, Spontangeburten, Kaiserschnitt und zum errechneten Termin geboren ist alles dabei.


Ich freue mich sehr, euch heute Jasmin vorzustellen. Sie ist eine 27- jährige Zwillingsmama von 2 Jungs, die mittlerweile 5 1/2 Monate alt sind. Mit dem Papa der beiden ist sie seit 2013 verheiratet.

Liebe Jasmin, wie war es für dich als du von deiner Zwillingsschwangerschaft erfahren hast?

Ehrlich gesagt wollte ich es nicht wahrhaben. Es sollte unser erstes Kind sein, ich kannte die Situation mit Zwillingen schon von einer Freundin und hätte mir das nicht vorstellen können. Deshalb habe ich mir sogar (das Risiko besteht ja) am Anfang gewünscht, dass der Kleinere noch abgeht. Dazu muss ich sagen, wenn ich mir jetzt vorstelle, dass es passiert wäre, blutet mir das Herz.

So eine Schwangerschaft mit gleich 2 weiteren Herzen unter dem eigenen ist schon sehr aufregend, aber auch schnell doppelt anstrengend. Wie ging es dir in der Schwangerschaft?

Überraschend gut ging es mir. Ich hatte kaum Beschwerden. Mein Gebärmutterhals war aber leider verkürzt und in der 30. SSW nur noch bei 2,7 cm. Das hieß dann also schonen und viel liegen.

Welche Gedanken oder Sorgen hast du dir bezüglich der Schwangerschaft und bevorstehenden Geburt gemacht?

Ab der 30. SSW, als ich so viel liegen musste, konnte ich mir nicht vorstellen, es noch mindestens 7 Wochen (das war mein persönliches Ziel) durchzuhalten.
Mein großes Ziel war eine natürliche Geburt und keine Frühchen, da ich die beiden sofort bei mir haben wollte.

Bitte erzähle etwas über die Entbindung. In welcher Woche war es soweit?

Da ich zwei Tage in Folge morgens Flüssigkeit im Slip hatte, bat mich meine Hebamme zum CTG und Fruchtwasser- Test in das Krankenhaus in der Kleinstadt in der ich wohne. Da dieser Test uneindeutig war und sich leichte Wehen auf dem CTG zeigten, wurde ich mit Wehenhemmer und der ersten Lungenreifespritze mit Blaulicht in die Geburtsklinik gefahren. Dort war der Test negativ, aber der Gebärmutterhals bei nur noch 1.7 cm. Ich sollte mindestens drei Tage stationär aufgenommen werden(auch wegen der 2. Lungenreife). In der letzten Nacht (da war ich 32+4) träumte ich von Wehen und wachte gegen 01:00 auf und musste auf Toilette. Als ich aufstand hatte ich einen Blasensprung mit sehr viel Fruchtwasserverlust. Auch Wehen hatte ich kurze Zeit später. Mir wurde schon am Tag zuvor gesagt, dass wenn es zur Geburt kommt, es ein Kaiserschnitt werden sollte, da beide Gewichte zu weit auseinander lagen. Und so geschah es auch: Viel zu schnell und leider zu früh.

Wie ging es dir nach der Entbindung? Was waren deine vorherrschenden Gedanken?

Ich hatte große Probleme zu akzeptieren, was geschehen ist, dass die beiden, die dort im Wärmebett liegen meine Kinder sind. Und leider ging es mir auch gesundheitlich nicht so gut. Ich hatte mit Fieber und Schmerzen zu tun.

Wusstest du in etwa, was da auf euch zukam? Klärte man euch über die allgemeinen Fakten gut auf?

Da ich eine Freundin mit Zwillingen habe, konnte ich ahnen wie es werden könnte. Am Ende ist es aber doch ganz anders. Aufklärung gab es kaum, ich denke auch dem geschuldet, dass es dann ganz schnell ging.

So eine Frühgeburt verlangt einem alles ab. Was ging dir durch den Kopf?

Ich wollte es nicht, konnte es auch überhaupt nicht fassen. Mein Kopf war einfach noch nicht soweit.

Wie lange waren die beiden noch stationär? Wie sah euer neuer Alltag aus?

Circa drei Wochen- mir kam es aber ewig vor. Zum Glück hatte mein Mann die erste Woche frei und wir sind immer zusammen hin gefahren. Ab der zweiten Woche bin ich dann gependelt und habe eigentlich den ganzen Tag auf der Station verbracht. Und das Abpumpen, alle drei Stunden, das werde ich auch nicht so schnell vergessen. Ich war so froh als ich das doofe Ding abgeben konnte.

Fühltet ihr euch gut aufgehoben? Wie war das Personal?

Ich habe mich eigentlich sehr wohl gefühlt, das einzige, was ich schade fand, dass man selbst ansprechen musste, dass man anlegen wollte. Da mir das sehr wichtig war, hab ich das ab dem zweiten Tag täglich gemacht.
Aber die Schwestern sind mit viel Einfühlungsvermögen an uns herangetreten.

Wann ward ihr als Familie Zuhause? Wie waren die ersten Wochen für euch?

Drei Wochen später bei 36+0 durften wir sie mit nach Hause nehmen und das sogar ohne Flasche, da sie schon im Krankenhaus super an der Brust getrunken hatten. Am ersten Abend war ich sehr überfordert, aber das legte sich zum Glück recht schnell. Auch war mein Mann vier Wochen zu Hause, was sehr toll war.

Was ist das Schwierigste am Mehrlingsmamasein?

Große Angst hatte ich vor dem Tag, an dem ich zum ersten mal mit den beiden allein sein sollte. Wir machten es allmählich und ich blieb stundenweise alleine. Mittlerweile bin ich ganz gerne allein mit den beiden. Klar, manchmal möchte man sich zerteilen, um beiden gerecht zu werden.

Und das Schönste?

Ich liebe beide einfach so wahnsinnig doll (besonders, wenn sie einen anstrahlen). Das gibt einem so viel. Ich bin so stolz, dass sie, trotz dass es Frühchen waren, sich so toll entwickelt haben. Mittlerweile merkt man es ihnen gar nicht mehr an.

Was möchtest du Frauen mit auf den Weg geben, die gerade von ihrer Zwillingsschwangerschaft erfahren haben?

Auch wenn es noch so schwer ist, man sich alles anders wünscht, ist doch das Ergebnis das Beste, was einem passieren kann!

 

Was kannst du Frühcheneltern raten?

Seid stolz auf eure Kleinen und auf die Fortschritte, die sie machen. Auch wenn die Zeit ewig scheint, ist es doch nur eine winzige Zeit im Vergleich zur restlichen die ihr miteinander habt.

Danke für deine offenen Worte!


Mit diesem schönen Schlusssatz endet das erste Interview meiner neuen Blogreihe. Jasmin, dir und deiner Familie wünsche ich alles erdenklich Gute!

 

Wenn auch DU gerne eure Geschichte erzählen magst, dann schreibe mir an:

elisa@doppelte-ueberraschung.de

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About Me

Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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