Blogreihe: Zwillingseltern erzählen – Carina und ihre Zwillingsmädchen

Diese Blogreihe dient vor allem dazu, um mögliche Sorgen, die man erst recht bei einer Zwillingsschwangerschaft hat, zu nehmen und zu zeigen, dass man exakt so wie die anderen tickt. So unterschiedlich meine Interviewpartner sind, so unterschiedlich sind auch ihre Geschichten: Frühgeburten, Spontangeburten, Kaiserschnitt und zum errechneten Termin geboren ist alles dabei.


Heute lernt ihr Carina kennen. Die 26- jährige Dreifachmama lebt mit Mann, dem 4- jährigen Sohn und den mittlerweile 10 Monate alten Zwillingsmädchen im eigenen Häuschen.

Liebe Carina, wie war es für dich als du von deiner Zwillingsschwangerschaft erfahren hast?

Also wir haben uns noch ein Geschwisterchen gewünscht für unseren Sohn – EINS!!!! Als dann der Gyn aber meinte, dass das aber ein großes Fest wird und ich 2 Herzen sah, bin ich erstmal fast vom Stuhl gekippt. Danach saß ich Rotz und Wasser heulend bei meiner Mama, die mich aber erstmal auslachte. Als ich meinem Mann dann erzählt habe was Sache ist, kam erstmal „NEIN NEIN NEIN“ und nach 10 Minuten „Ist doch schön! Das ist ein Privileg der Natur“. Ich habe ihm dann sanft klar gemacht, dass er sich sein Privileg sonst wohin stecken soll und war dann erstmal 3 Tage nicht ansprechbar und nur am heulen! Überfordert war ich, ängstlich! Aber danach war es das Normalste  für mich und nachdem ich alle Tränen geweint hatte, kam auch die Freude und der Stolz!

So eine Schwangerschaft mit gleich 2 weiteren Herzen unter dem eigenen ist schon sehr aufregend, aber auch schnell doppelt anstrengend. Wie ging es dir in der Schwangerschaft?

Ich hatte schnell viele Probleme: Angefangen von der typischen Kotzerei – und es war schon kein übergeben mehr!!!! – zu vorzeitigen Wehen im 5. Monat, Schwangerschaftsdiabetes und dann ging es weiter mit dem Ischias.. Ich dachte, er bringt mich irgendwann um! Sodbrennen hatte ich auch. In der 33. Woche ca. fing es wieder an mit Wehen und verkürztem GMH inklusive einem einwöchigen Krankenhausaufenthalt und Lungenreife-Spritze, welche gar nicht mal soooo toll ist- Etwas Herzrasen sagten sie mir bekomme ich davon. IST KLAR!!! Ich war die ganze Nacht wach und dachte, ich kriege einen Infarkt. Aber schlafen konnte ich die gesamte Schwangerschaft über schlecht. Und achja – ich war ein Biest! Ich hasste alles und jeden. Aber so richtig!

Welche Gedanken oder Sorgen hast du dir bezüglich der Schwangerschaft und bevorstehenden Geburt gemacht?

Hm, also vor der Geburt hatte ich eigentlich kaum Angst. Erst gegen Schluss kam der Respekt als ich mich gegen einen Kaiserschnitt entschied. Ängste hatte ich eher wie das alles funktionieren soll. Mein Sohn war zu dem Zeitpunkt erst 3! Ich hatte Angst, ob er zu kurz kommt, ob er die Rolle als Bruder auch akzeptiert, ob er eifersüchtig ist – ich meine, es war ja nicht nur ein Baby auf einmal da. Oder wie es wird mit 3 Kindern und einem Mann, der Vollzeit arbeitet und Haus und und und. Solche Gedanken waren eher mein Problem.

Bitte erzähle etwas über die Entbindung. In welcher Woche war es soweit?

Also vorweg – es war eine Traumgeburt! Und sogar noch ein Stück schöner als bei unserem Sohn. Einfach, weil dieses mal auch mein Mann dabei war.
Nachdem ich ja schon mal eine Woche im Krankenhaus war, um die 33. Woche, hatte ich eigentlich Bettruhe. Daran hielt ich mich auch bis zur 35+6, trotz meines Sohnes. Aber er hat es auch verstanden und wir haben viel ruhige Dinge gemacht. Naja, bis eben 35+6. Da war ich mutig und wollte mir neues Shampoo kaufen gehen! Zuhause wieder angekommen, konnte ich kaum laufen, dachte aber mein Freund Ischias wäre das! Wir saßen alle zusammen draußen, meine Schwägerin hatte gekocht. Aber ich habe 30 Minuten für eine halbe Portion gebraucht, weil ich alle 4 Minuten die Gabel hinlegen musste und Schmerzen hatte. Okay, dachte ich mir, fragste mal Muddi was du machen sollst. Meine Mutter schrie mich dann durchs Telefon an, ob ich noch ganz sauber wäre, das wären Wehen und sie würde sofort kommen und mit mir ins KH fahren. Ich habe dann erstmal die Küche noch gewischt, den Backofen sauber gemacht und war duschen. Erst dann habe ich auch meinem Mann gesagt, was los ist.
Im Krankenhaus kam ich ans CTG und wurde untersucht – Muttermund bei 3 cm, Wehen! Die Hebamme bereitete alles vor und meinte, ich sei abends dreifache Mutter.. – von wegen! Wehen waren bald weg. Spazieren hilft, ja! Bis ich am CTG hing, dann waren die Wehen weg. Dieses Spiel spielten wir munter von Mittwochmittag bis Freitagmorgen. Da sagte die Hebamme, ich solle frühstücken und danach geht es an den Wehentropf! Puh, ich hatte binnen von Sekunden Wehen, die auch blieben! Und danach ging eigentlich alles schnell. PDA wurde gelegt, danach waren auch plötzlich sämtliche Ärzte und Schwestern (wovon ich auch noch eine kannte, was recht unangenehm war, denn ich lag ja da mehr oder weniger wie Gott mich schuf – aber gekonnt ignoriert) da inklusive Hebamme, meinem Mann und meiner Mutter. Nach ein paar Wehen wurde dann die Fruchtblase aufgemacht und es folgte: meine erste Tochter, mein zweites Kind Emilia. Mit 6 Minuten unterschied kam Lara – unsere kleinste, unser Teufel. Ich hatte wirklich keine Schmerzen, die Ärzte und das Personal waren super und haben mir auch die Angst genommen und die Sicherheit, die mein Mann mir gab hat mich so stark gemacht! Es war wirklich eine traumhafte Geburt!!!

Lara hatte etwas Anpassungsschwierigkeiten, weswegen wir nur ein paar Minuten miteinander hatten und sie danach dann auf die Neo kamen. Das hat mir das Herz gebrochen, aber es war dann auch zum Glück nur für eine Nacht und als ich fit war durfte ich dann zu ihnen.

Wie ging es dir nach der Entbindung? Was waren deine vorherrschenden Gedanken?

Ich war sehr müde, hab mich gefühlt wie von ’nem riesigen LKW überfahren. Ich habe auch erstmal nichts mehr mitbekommen, ich war richtig platt. Und Hunger!!! Und es gab – Suppe! Hallo?! Ich hatte gerade Zwillinge geboren, da hätte ich schon ein ordentliches Menü vom Krankenhaus erwartet…….. Nein, Spaß bei Seite. Ich wollte nur noch zu den Babys auf die Neo. Hatte Angst, dass etwas passiert und ich nicht da bin, hatte Panik, dass sie mich mit jeder Minute, die ich mich ausruhte sie mich hassen würden und nicht akzeptieren würden. Ich sollte schlafen und wenn es mir besser ginge dürfte ich rüber. Bin ja nicht blöd und habe genau eine Stunde gewartet und dann die Schwester gerufen, dass sie mir hilft. „Frau L. Sie können doch noch gar nicht laufen“ Stimmt, hatte doch die PDA. Aber auch da stützte ich mich überall ab und tat einfach so, als wäre alles super. Als dann allerdings mein Kreislauf sich verabschiedete konnte ich nichts mehr vertuschen und durfte wieder ins Bett. Naja, abends gegen 18 Uhr durfte ich sie endlich in den Armen halten. Und sie hassten mich auch nicht. Ich schaute Emilia an und dachte mir: Wow, wie sehr ich dieses kleine Baby liebe. Sah dann Lara an und auch sie liebte ich so sehr. Meine Liebe, die ich für meinen Sohn empfinde, hatte sich also nicht verändert oder geteilt, sondern es kamen 2 neue Lieben dazu. Auch diese Sorge also abgehakt 🙂

Wann ward ihr als Familie Zuhause? Wie waren die ersten Wochen für euch?

Ich durfte mit den Babys nach 4 Tagen dann das KH verlassen, aber Zuhause waren der Bruder mit Frau und 2 Kindern meines Mannes, da sie aus Serbien kommen und die Babys sehen wollten. Das war für mich Diebstahl – Sie klauten mir die Zeit als Familie NUR WIR 5!!! Das habe ich sie auch spüren lassen und niemand durfte die Kinder auch nur ansehen.
Mit den Babys kam ich seltsamerweise von Anfang an super zurecht. Das nächtliche Wachsein hatte mir nichts ausgemacht und ich hatte Kräfte wie Superwoman! Dachte ich jedenfalls in dem Moment. Ich hatte vom ersten Moment an alles unter Kontrolle und auch mein Sohn hat super mitgemacht. Er hatte immer Verständnis, wenn er kurz warten musste, war so liebevoll zu seinen Schwestern.

Was ist das Schwierigste am Mehrlingsmamasein?

Ich bin ja nicht nur Mehrlingsmama, ich bin auch Mama eines heute vierjährigen Jungen. Manchmal ist es kompliziert alles unter einen Hut zu bringen, auch wenn es meistens klappt. Schwer ist es aber vorallem nicht nur Mutter zu sein, sondern auch mal einfach ICH oder einfach mal Ehefrau. Unsere Ehe steht leider viel zu oft hinten an und wir geben die Kinder auch so gut wie nie ab. Zum Schlafen sowieso nie!
Aber oft ist es echt eine Herausforderung die Nerven zu behalten. Oder wenn ich wieder mal Team 4 Uhr bin und mein Sohn mittags zum 38162690. Mal Schneckenrennen spielen will während die Babys schlafen. Oder abends das Haus wie eine Müllhalde aussieht und du erstmal grundreinigen musst, obwohl du selbst gerne einfach mal Füße hochlegen magst. Das ist schon schwer – denn dein Tag hat eigentlich mindestens 10 Stunden zu wenig.
Achja, nur so am Rande für Zwillingseltern: schwer ist auch einkaufen. 2 Maxi Cosis im Einkaufswagen und der Einkauf beschränkt sich auf Brot und Wasser 😉 Zwillingskinderwagen sind Schiffe. Dafür braucht man einen Führerschein und wenn er mal irgendwo nicht durch passt…….. Ja man wird dann richtig erfinderisch!

Und das Schönste?

Die bedingungslose, ehrliche und aufrichtige Liebe deiner Kinder! Das Lächeln, das sie dir schenken, wenn du einen harten Tag hattest oder dein Sohn dir mit seinen 4 Jahren sagt: Mama ich bin stolz auf dich oder Mama ich bin froh, dass du meine Mama bist. Wenn man diese Liebe spürt weiß man wofür es gut ist.

Was möchtest du Frauen auf den Weg geben, die gerade von ihrer Zwillingsschwangerschaft erfahren haben?

Plant nicht. Es kommt eh alles anders! Seid gelassen, nicht krampfig. Ihr werdet an eure Grenzen kommen, versprochen! Aber danach werdet ihr lachen und sagen “ Hey, so schlimm war es auch nicht“. Seid entspannt und lasst die Kinder nie spüren, wenn etwas nicht stimmt. Je entspannter ihr an etwas rangeht, desto cooler sind eure Babys.

Danke für deine offenen Worte!


Dem kann ich mich nur anschließen. Carina, dir und deiner Familie wünsche ich alles erdenklich Gute! Macht weiter so!

 

Wenn auch DU gerne eure Geschichte erzählen magst, dann schreibe mir an:

elisa@doppelte-ueberraschung.de

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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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