Enttäuscht von Babys Geschlecht

Als ich selbst ein Kind war bemerkte ich irgendwann, dass meine Mutter mich gegenüber ihren Mitmenschen als Elisa oder „mein Kind“ bezeichnete. Als Teenager fragte ich sie dann, warum sie mich so selten als „ihre Tochter“ bezeichnen würde. Ihre Antwort beeindruckte mich:

Seit der Schwangerschaft sprach und dachte ich an mein Kind. Ich wusste ja vorher nicht, dass du ein Mädchen bist. Es war völlig egal, ob du ein Junge oder Mädchen bist. Ich erwartete mein Wunschkind und nur das zählte.

Es prägte sich bei mir ein und ich spürte abermals ihre unerschütterliche Liebe bei diesen Worten. Ich bin ihr einziges leibliches Kind.

Im Internet wird derzeit ein Text sehr stark bewertet, der sich damit befasst, dass die Bloggerin so sehr und auch ganz offenkundig über ihre Enttäuschung des Geschlechts ihres Babys schrieb. Ihre Worte sind gnadenlos. Doch sie empfindet so. Das darf sie und sie darf auch darüber schreiben, wenn es ihr ein Bedürfnis ist. Ich selbst teile ihre Gefühle nicht. Ein Glück! Denn leicht wird dies ganz sicher nicht sein.


Nun bin ich also damit aufgewachsen, dass das Geschlecht eines Kindes völlig wumpe ist. Mir wurde das vorgelebt. Vermutlich erging es mir deshalb auch so als ich endlich schwanger wurde.

Was mir bei solchen harten Worten aufstößt ist, dass es mir fast undankbar erscheint. So empfinde ich. Das darf ich schreiben. Warum beschäftigt es mich überhaupt so? Der Herzmann und ich haben über 2 Jahre auf unsere Wunder warten müssen. Länger als manche, kürzer als viele andere. Während ich mittlerweile darüber nachdenke, den Kleiderschrank der Jungs auszumisten, mich über Rückenschmerzen ärgere, da mehrmals die Woche Waschmaschine und Trockner laufen, gibt es noch immer so viele Frauen, die mit mir zusammen auf einen positiven Test hofften und selbst noch nicht damit gesegnet wurden oder schlimmer noch, ihr Kind haben gehen lassen müssen.

Und dann liest man Worte wie „Enttäuschung“ , „Trauer“ , „Wut“, weil das Geschlecht vom eigenen Kind nicht das ist, was man sich erhofft oder so stark vermutet hat.

Ja, ich finde es enttäuschend, traurig und macht mich wütend, wenn man wegen so etwas ernsthaft leidet. Nein, man soll sich nicht für das Unglück anderer verantwortlich fühlen. Aber ein wenig mehr Empathie bei genau diesem Thema- und der Kinderwunsch selbst gehört für mich unabdingbar dazu- täte gut.

Dankbarkeit.

Ich bin so dankbar, dass ich endlich Mutter bin. Dass ich weiß, dass ich schwanger werden und bleiben kann. Dankbar, dass ich 2 gesunde Kinder habe. Dankbar für 2 wunderschöne Söhne.

Meine Jungs sind zweieiig. Natürlich hofften wir insgeheim auf ein Pärchen. Wenn man schon einmal SO ein Glück hat, gleich 2 Kinder zu bekommen und die Möglichkeit auf ein Pärchen besteht, hofft man. Ein Kind zeigte sich lange nicht. Und dann kam das eindeutige Outing:

2 Jungs!!

IMG_20160513_150212

Ich blickte auf den riesigen Bildschirm und wusste endlich, dass wir 2 Söhne erwarten! Endlich war das Geheimnis gelüftet und es gab Gewissheit. Ich sah meinen 2. Sohn auf dem Bildschirm und war nur stolz und verliebt. In meinem Kopf erstarb das Bild von einem Mädchen im hübschen Kleid neben ihrem Bruder. Dafür sah ich 2 Jungs, die mit ihrem Papa tobten.

Nie war ich enttäuscht oder traurig. Wir haben lange für diesen Moment gekämpft, in dem man uns sagt, dass wir wirklich ein Kind erwarten. Dann gleich 2! Und das Outing war in der Schwangerschaft der krönende Abschluss. Es gab einfach keinen Platz für mögliche Enttäuschungen.


Wir wollen sehr gerne noch ein Kind. Irgendwann. Schon jetzt überlegen wir, uns das Geschlecht nicht sagen zu lassen. Denn was wünschen wir uns? Ein Kind.

Keinen Sohn. Keine Tochter. Ein Kind!

About the Author

Elisa
Author with 41 posts
More about Elisa

Related Articles

Leave a Comment

About Me

Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

Newsletter

Besucht mich doch auf

Besucht mich doch auf

Mein Interview auf „Einer schreit immer“

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen

Wie man mit einer Frühgeburt umgeht ohne im Gedankenkarusell zu kreisen