Und plötzlich gibt es Brei

Ich muss ja sagen, dass ich insgeheim hoffte, die beiden würden noch gaaaanz lange kein Interesse an unserem Essen zeigen. Und eigentlich ist das auch immer noch so. Ich bin jemand, der auf die Reifezeichen zur Beikost vertraut. Wenn man sich diese ansieht, so erfüllen die beiden davon 3 1/2 von 6 Reifezeichen. Hierbei geht es aber nicht um eine gute Quote, sondern dass alle erfüllt sind.

Und dann hat man da seine eigenen Kinder …

Die letzte Woche war sehr intensiv bei uns. Viel Unmut machte sich vor allem bei den Kindern breit- und spätestens dann natürlich auch bei uns. Das wiederum hebt keineswegs die Laune der Kinder. Ein Teufelskreis. Ihr kennt das sicher.

Regelmäßig haben die beiden rote Wangen, doch noch brechen keine Zähnchen durch. Somit schoben wir diese Launen darauf. Als John dann aber begann, die Flaschen zu verweigern (er ist die Fressbacke von beiden) und höchstens 100ml von 230ml pro Mahlzeit zu trinken, waren wir uns noch sicherer, dass sicher die Zähnchen Schuld daran trugen. Kühlere Milch brachte aber auch keinen Erfolg.

Parallel dazu „wartete“ ich noch immer darauf, dass die Jungs uns beim Essen zusahen oder nach etwas Essbaren greifen wollten, doch nichts dergleichen geschah.

Der Herzmann schlug sonntags dann vor, es doch einfach mal mit Brei zu versuchen. Och nöö, dachte ich. Ich wollte das nicht. Vor allem nicht so: Zuhause hatten wir noch Fertiggläser von Hipp, die wir als Werbegeschenk bekamen. Gemüse, das für Säuglinge geeignet ist, hatten wir gar nicht erst hier. Nach einigem Widerstreben suchte ich dann doch nach dem Gläschen. Das Füttern überließ ich dem Herzmann. Ich wollte das nicht.

Was soll ich sagen? Das Kind aß und aß und aß bis das Glas bis auf etwa 2 Löffel leer war! So eines fasst 125g! Weiße Karotte schien der Hit für ihn zu sein. Und in dieser Nacht schlief John dann endlich wieder nach Ewigkeiten durch- sein Bruder direkt mit, der die Breimahlzeit auf meiner Brust verschlief.


Am nächsten Tag kaufte ich Hokkaido- Kürbis. Ich wollte die beiden erst gar nicht an Gläschen gewöhnen. Also schälte und schnibbelte ich einen Teil zurecht und kochte es mehrere Minuten. Danach machte ich es mit einer Gabel klein (unseren Pürierstab warf ich vor geraumer Zeit weg) und ging freudestrahlend zum großen Jungen.

Endlich gibt es was Richtiges!

John öffnete bereitwillig den Mund und … verzog angewidert das Gesicht. Das ging bei jedem Löffel so. Ich machte den Brei flüssiger und matschte nochmals alles durch. Auch so wollte er es nicht. Am Nachmittag kaufte ich für alle Fälle Gläschen. Nach dieser anstrengenden Woche möchte ich vorbereitet sein.

Am Tag darauf mischte ich den Kürbis mit Pastinake, was auch nicht gut ankam. Ist aber auch glaube ich keine geile Mischung. Auch Logan bekam etwas davon und fand es eklig. Na gut Jungs, meinetwegen. Dann nicht. Es gab Pastinake pur und zusammen schaufelten sie etwa 60g.

Heute dann gab es Kürbis aus dem Glas. Ich wollte wissen, ob es eventuell an der Konsistenz lag. Dass John mir das Glas nicht um die Ohren geworfen hat war auch alles. Kürbis ist nicht seins, wage ich mal so früh zu behaupten. Nicht schlimm, ich mag Kürbis auch nicht. Logan hingegen mampfte die Hälfte des Glases auf und trank danach noch 200ml Milch! John bot ich ein wenig Karotte an, welche wohl besser, aber auch nicht soo der Hit war. Er trank 230ml Milch hinterher.

Mit einem Pürierstab sieht die Welt sicher nochmals anders aus, denn schließlich müssen sie sich gerade an so vieles gewöhnen. Seit es aber Brei gibt, schlafen sie wieder durch, was sie Wochen nicht getan haben.

Heute früh sah John dem Herzmann dann beim Essen zu und machte den Mund weeeit auf. Die weiteren Reifezeichen kommen also. Manchmal eben anders als man erwartet. Ihren eigenen Brei schieben sie nur heraus, wenn zu viel im Mund ist oder sie einfach genug haben. Ich dachte, wir könnten das mit dem Brei vielleicht umgehen, doch für Fingerfood sind sie eindeutig noch nicht bereit. Nur Milch reicht beiden aber auch nicht mehr. Somit muss(te) ich meine eigenen Prinzipien über Bord werfen und darauf hören, was mir meine Kinder sagen. Es ist gar nicht so leicht seine eigenen Vorstellungen von Gut und Richtig abzuändern oder zu überdenken, aber es lebt sich leichter, wenn man dies tut und nicht stur auf einen Weg beharrt.

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Jedes Kind tickt anders. Essen soll Spaß machen und zwar jetzt schon. Ich möchte, dass die beiden mit Freude Neues entdecken und da gehört der Geschmackssinn ganz eindeutig dazu. Ich habe Notfall- Gläschen hier und werde ihnen in erster Linie selbstgemachte Breie anbieten.

Meine Kinder werden groß. Durch solche Erlebnisse wird es einem immer wieder ganz besonders bewusst. Und das ist okay, auch wenn ich noch gar nicht richtig dazu bereit bin.

Probleme einer Mutter, hm? 😉

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Hier bloggt Elisa, 27, über den täglichen Wahnsinn mit Zwillingen und Herzmann. Ein bisschen tätowiert, ein bisschen gepierced, aber mit Kurven und Verstand. Aus einer Öko- Patchworkfamilie stammend, gehe ich meinen Weg durch dieses Eltern- Labyrinth. Begleitet mich doch ein Stück dabei!

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